Darf ein Luxusauto quietschen?

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Quietschende Bremsen hört man an jeder Straßenecke. Auch wenn dies selten gewollt ist, lässt es sich nicht immer vermeiden.

Aber darf auch ein Mercedes-Benz CLS 500 im Wert von 75.000 € quietschen?

Um diese Frage sachgerecht zu beantworten kommt es unserer Meinung nach auf die unterschiedlichen Sichtweisen an. Will der Fahrer „lediglich“ ein Luxusauto mit größtmöglichen Komfort in allen Belangen oder darf es speziell bei der Bremse „etwas mehr“ sein?

Wir beginnen mit einem Urteil des Oberlandesgericht (OLG) Schleswig.

Der Fall:

Sportbremsbeläge
Sportbremsbeläge

Im zu Grunde liegenden Urteil erwarb der Kläger einen Mercedes-Benz CLS 500 zum Gesamtpreis von 75.000€.
Die Klägerin beanstandete nach rund 10.000 Km, dass ein Quietschen der Bremsen, vornehmlich bei Nässe, zunächst bei Rückwärtsfahrten, später aber auch bei Vorwärtsfahrt auftrat. Nachdem die Beklagte mehrfach versuchte das Quietschen zu beseitigen und versprach, dass an neuen Materialien gearbeitet werde, trat die Klägerin vom Vertrag zurück.

Die Klägerin behauptete, dass es sich um ein langanhaltendes Quietschen handele, welches bei Fahrzeugen dieser Preisklasse nicht auftreten dürfe und zusätzlich zumindest die Gefahr einer Beeinträchtigung der Bremssicherheit beinhalte.

Die Beklagte hingegen erwiderte, dass ein Quietschen höchstens kurze Zeit nach Fahrtantritt vorläge und dies die Sicherheit nicht beeinträchtige. Es handele sich lediglich um eine Komforteinbuße, welche bei allen Fahrzeugen dieser Art auftrete.

Entscheidung

Das OLG war genauso wie zuvor das Landgericht der Ansicht, dass ein Käufer eines 75.000 € teuren Fahrzeugs nicht erwarten muss, dass ein Quietschen der Bremsen auftritt.
Das Gericht hat durch einen bestellten Sachverständigen festgestellt, dass bei Feuchtigkeit bei den ersten 16-22 Bremsungen ein deutlich wahrnehmbares Quietschen auftritt, welches die Sicherheit jedoch nicht beeinträchtigt. Es handelt sich somit um einen reinen „Komfortmangel“. Das OLG sah diesen Fahrzeugmangel, insbesondere im Hinblick auf die in Norddeutschland häufig herrschende feuchte Witterung, als so erheblich an, dass dieser zum Rücktritt berechtige.

Es kommt also immer auf die Sicht eines objektiven Dritten und der umfassenden Abwägung aller Interessen an, ob ein Mangel am Fahrzeug vorliegt oder nicht.

Ist Quietschen denn immer ein Mangel?

Natürlich sind quietschende Bremsen vielfach unangenehm. Die Ursachen sind aber vielfältig und oftmals auch nicht oder nur mit hohem Aufwand zu orten. Möglich sind nicht aufeinander abgestimmte Materialien, unsauber Montage oder frühzeitige Temperaturübersteigung.

Üblicherweise kommt es vor allem bei Sportbremsbelägen häufiger zum Quietschen. Bei der Entwicklung solcher Beläge steht hauptsächlich die Leistungssteigerung im Vordergrund, weniger das Komfortverhalten, wie z.B. das Vermeiden von Bremsenquietschen.

Es lässt sich daher mitnichten einfach behaupten, dass jedes Bremsen-Quietschen einen Sachmangel darstellt. Vielmehr kommt es wie bereits angesprochen auf die Betrachtung aller Umstände an. Denn ein Bremsbelag stellt immer einen Kompromiss aus Leistung, Komfort und Lebensdauer dar.

Hierzu verweisen wir auf unseren Blog-Beitrag „Quietschende Bremsen – warum eigentlich?“.

In unserem Online-Shop finden Sie auch einige Artikel, welche das Quietschen der Bremsen verhindern oder zumindest lindern kann:

(Schleswig-Holsteinisches OLG, Az. 14 U 125/07)

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