Aus dem Leben eines Prüfers bei TÜV SÜD

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Der Heiner von TÜV SÜD

Es sollte ein ganz normaler Morgen im Leben von Heiner, dem amtlich anerkannten Sachverständigen (mT) von TÜV SÜD werden. Doch was dann zum Tor herein kam, war besser als jeder Kaffee und ist durchaus eine Story wert...

Wir stellen Euch hiermit "Den Heiner von TÜV SÜD" vor und wünschen Euch viel Spaß bei seinem ersten amüsanten Erlebnis aus dem Leben eines Prüfers bei TÜV SÜD.

Kunde droht mit Auftrag...

Es war wieder einer dieser Tage, an denen man gemütlich im Büro sitzt und sich des Lebens freut. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und eine 180er Pulsfrequenz quittiert den Konsum von ca. 3L Kaffee.

Doch was erblicke ich, als mein Blick auf den Hof schweift? Da fährt doch tatsächlich ein Auto durch das Tor. Ein Kunde? Jetzt? Zwischen zweitem Frühstück und Mittagessen? Unfassbar! Der erste meiner Kollegen springt auf, um noch schnell die Tür abzuschließen. Doch er ist zu langsam. Der Kunde hat es doch tatsächlich bis an den Schalter geschafft. Motiviert nimmt unsere Kassenfee den Auftrag an, während sich der Toilettentrackt des Gebäudes zunehmend mit Kollegen füllt. Ich habe durch meine Schockstarre aufgrund des Alarms „Kunde droht mit Auftrag“ leider den Fluchtmoment verpasst. Verdammt! Es erwischt mich. Auch spontanes Totstellen bringt nichts. Die Kassenfee flötet noch etwas wie „Endlich was zu tun, ist das nicht schön?“, während ich langsam den Auftrag auf meinem Brett platziere. Ich lese den Namen und das Fahrzeug des Kunden und versuche mir ein Bild zu machen. Was wird das für ein Kunde sein? Ist es der Typ Technikneandertaler?

Fahrzeugbeherrschung par excellence...

Der Technikneandertaler ist bereits mir der Einfahrt in die Halle überfordert. Mit einer Motordrehzahl von ca. 5000 U/min begibt er sich im Schneckentempo durch das Hallentor. Es riecht nach Kupplung und Angstschweiß. Nachdem man den Kunden möglichst freundlich begrüßt hat, lächelt er einen ängstlich an. Auf die Frage nach dem Kilometerstand drückt er hektisch alle Knöpfe, die in irgendeiner Art und Weise sein Blickfeld kreuzen. Freundlich drückt man den Menüknopf und hat dem Kunden damit schon das erste Mal den Tag gerettet. Anschließend bittet man ihn, auf Anweisung die Lichter durchzuschalten. Standlicht und Abblendlicht bilden noch geringe Hürden, doch dann kommt das Fernlicht! Laut hört man das Starten der Wischwasserpumpe. Soweit kein Problem, wenn das Auto keine Scheinwerferreinigungsanlage hat. Aber was wenn doch? Genau in diesem Moment steht man nämlich vor dem Scheinwerfer und bekommt die ganze Soße mit Druck ins Gesicht. Guten Morgen. Dem Kunden gehen jetzt buchstäblich die Lampen aus. Wild werden alle Hebel gezogen um das Missgeschick irgendwie wieder rückgängig zu machen. Wenn man jetzt schnell ist, erblickt man in diesem Gewirr das Fernlicht und kann damit die Funktion als geprüft abhaken. Warnblinker, Bremslicht und Rückwärtsgang werden dann doch recht flüssig (aber trocken) gemeistert und der Kunde fühlt sich wieder sicherer.

Nebelschlussleuchte? Hat er nicht...

Aber jetzt kommt die Geheimwaffe: die Nebelschlussleuchte. Auf diese angesprochen bekommt man sofort gesagt, dass dieses Fahrzeug, Baujahr 2005, diese gar nicht habe. Auf den freundlichen Hinweis, dass diese seit 1991 Pflicht ist, folgt in breitestem Schwäbisch: „des het noch nie ebbern kontrolliert!“. Mit dem Blick in den Schein erfahre ich, dass der letzte Prüfer jemand war, der mir gut bekannt ist: Ich. Langsam etwas genervt entgegne ich, dass ich schon vor 2 Jahren eben diese kontrolliert habe. Daraufhin erfahre ich, dass der Kunde mich noch nie im Leben gesehen hat. Ich schalte die Nebelschlussleuchte ein und freue mich, dass sie auch dieses Jahr wieder leuchtet.

Final überfordert...

Endlich haben wir die Lichterchallenge geschafft. Ich wische mir die Stressperlen von der Stirn und beobachte, wie der Kunde selbiges tut. Ich bitte den Kunden alle Lichter auszuschalten, die Motorhaube zu entriegeln, den Gang draußen und die Handbremse offen zu lassen. Der Kunde zieht die Handbremse an, legt den Gang ein, versucht herauszufinden, was da so rhythmisch in der gleichen Frequenz wie der Warnblinker klackt und sucht anschließend die Motorhaubenentriegelung. Ich entschließe mich, den Kunden zu erlösen und bitte ihn, einfach alles so zu lassen und auszusteigen. Den Hinweis, dass es im Foyer kostenlosen Kaffee gibt und er auch gern dort warten darf, nimmt der Kunde freudestrahlend an. Die restliche Prüfung ziehe ich gemütlich und erleichtert allein durch.

Dieser Typ Kunde ist aber immer noch einer der liebenswürdigeren und angenehmeren Kunden. Es gibt noch einige weitere Kundentypen, aber darüber werde ich zu einem anderen Zeitpunkt berichten. Bis dahin: haltet die Räder auf der Straße!

Euer Heiner

 

Über den Autor

Heiner M., Baujahr ´88, amtlich anerkannter Sachverständiger (mT) bei TÜV SÜD. Außerdem von Kindesbeinen an autoverrückt und tuningbegeistert. Mittlerweile auch als Fahrer/Beifahrer/Helfer bei VLN & GLP auf dem Nürburgring im Einsatz. Weitere Infos über Heiner findet Ihr entweder in seinem Blog, oder auf seiner Facebook-Page.

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Kommentar von M. Laumen |

Heiner Du bist mein Held. Selten so gelacht.

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