Bremsenbelüftung – und was der TÜV SÜD dazu sagt

(Kommentare: 0)

Für ein Motorsportfahrzeug ist eine gute Bremse das A und O. Die Bremse kann über Sieg und Niederlage entscheiden. Packt die Bremse besser zu, kann der Bremspunkt weiter nach hinten gesetzt werden, was in manchen Fällen die nötigen Sekunden bringen kann.

Der ideale Temperaturbereich

glühende Bremsscheibe

Wie wir alle wissen, funktioniert eine Bremse durch Reibung. Beim Bremsen wird die Bewegungsenergie dabei in Wärmeenergie umgewandelt. Soweit alles kein Problem, wenn man nur einmal bremst. Ist man aber zügiger unterwegs, etwa auf Pässen oder einer Rennstrecke, bekommen viele Serienbremsanlagen schnell das Problem, dass die entstehende Wärme nicht mehr genügend abtransportiert werden kann. Sie staut sich. Die Bremsscheibe und auch die Bremsflüssigkeit erwärmen sich. Hierbei sprechen wir von Temperaturbereichen von bis zu 900°C. Die serienmäßige Bremse eines Kleinwagens wäre hiermit sicher schnell überfordert. Durch die Erwärmung kann sich bei einer nicht für diesen Temperaturbereich ausgelegten Bremsscheibe das Gefüge des Metalls verändern, die Scheibe „verzieht“ sich und die Beläge verglasen. Der Bremsbelag kann nicht mehr richtig auf der Scheibe reiben und so nicht mehr sein maximales Verzögerungspotential ausspielen. Was aber noch viel verheerender ist: eine überhitze Bremsscheibe bringt keine Reibleistung mehr. Die Bremse kommt ins „Fading“.

Rennsportbremsen hingegen benötigen auch eine gewisse Grundtemperatur, um effizient zu arbeiten. Es gilt also, diesen idealen Temperaturbereich aufrecht zu erhalten. Warm wird die Bremse von allein. Somit muss die Bremsenbelüftung optimiert werden.

Das "Stiefkind" Bremsbelüftung

Der Hersteller eines Fahrzeuges widmet diesem Thema mal mehr und mal weniger Aufmerksamkeit. Bestes Beispiel ist der hier schon behandelte Fall der Audi Bremsscheiben. Was passiert aber, wenn ihr eure Bremse aufgerüstet habt und damit die originale Belüftung nicht mehr ausreicht? Das VdTÜV Merkblatt 754 schreibt bei einer Bremsenumrüstung sogar eine ausreichende Belüftung vor!

Wie macht man´s richtig?

Porsche Bremsbelüftung

Es gibt einige Arten, um die Bremse besser zu belüften. Die effizienteste ist hierbei die Verlegung eines Schlauchs von der Front in den Radkasten Richtung Bremssattel. Dabei strömt dann der Fahrtwind nahezu ungehemmt an den Sattel und kann diesen durch den Luftstrom kühlen. Dabei gibt es jedoch ein paar Kleinigkeiten zu beachten. Der Schlauch darf nicht mit den warmen Teilen des Motors in Berührung kommen, er sollte nicht der tiefste Punkt am Fahrzeug sein, nicht beim lenken stören und natürlich sicher befestigt sein. Für alle diejenigen, die jetzt ¾ ihrer Front zum Lufteinlass umbauen möchten: das geht natürlich auch nicht. Für die Belüftungsöffnung solltet ihr idealerweise bereits vorhandene Öffnungen in der Front nutzen. Ein Elfmeter ohne Torwart ist hier zum Beispiel die Öffnung der Nebelscheinwerfer. Nebelscheinwerfer raus, Schlauch von dort zum Bremssattel führen und schon habt ihr ohne große auffällige Änderungen eure Bremsenbelüftung. Um nicht unerwünschte Flugkörper wie Insekten, Steine oder auch Reifenteile auf euren Bremssattel zu lenken, solltet ihr die Öffnung mit einem Gitter abdecken.

Die Frage aller Fragen: Was sagt der Sachverständige dazu?

Wie schon bemerkt, ist eine ordentliche Bremsenbelüftung ein Plus an Sicherheit. Dadurch sollte der Sachverständige diesem Thema offen gegenüberstehen. Grundsätzlich also machbar.

Ist euer Fahrzeug tiefergelegt oder noch mit Spoilern verziert, kann es sogar passieren, dass die originale konzipierte Bremsenbelüftung verschlechtert wird. Bei Veränderungen der Aerodynamik fordert das VdTÜV Merkblatt 744 daher einen Nachweis ausreichender Bremsenbelüftung.

Wie schon weiter oben erwähnt, muss eine Bremsenbelüftung baulich in Ordnung sein. Es bringt nämlich nichts, wenn ihr Schläuche aus dünnem, entzündlichem Material verwendet, die sich dann durch die Motorwärme in Flammen auflösen – und euer Auto gleich mit.

Bei der Abnahme wird euer Sachverständiger also nur das Material, die Verlegung und ordentliche Befestigung der Bremsenbelüftung begutachten. Somit sollte die Abnahme nicht aufwändig sein und auch preislich alles andere als aus dem Rahmen fallen.


 

Über den Autor

Heiner M., Baujahr ´88, amtlich anerkannter Sachverständiger (mT) bei TÜV SÜD. Außerdem von Kindesbeinen an autoverrückt und tuningbegeistert. Mittlerweile auch als Fahrer/Beifahrer/Helfer bei VLN & GLP auf dem Nürburgring im Einsatz. Weitere Infos über Heiner findet Ihr entweder in seinem Blog, oder auf seiner Facebook-Page.

Zurück

Einen Kommentar schreiben (Beratungsanfragen bitte nur über unser Kontaktformular)
Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unseres Angebotes. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. weitere Informationen