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Bremsrekuperation – ein neuer Begriff in der Autowelt, mit dem mittlerweile inflationär umgegangen wird. Eine andere Bezeichnung dafür ist „Regeneratives Bremsen“. Doch es ist wie so oft: Viele wissen gar nicht, über was sie eigentlich reden. Aus diesem Grund erklärt AT-RS, der Fachanbieter für Bremstechnik, folgend die dahinter stehende Technik. Dabei soll der Fokus auf einer allgemeinverständlichen Darstellung für den automobilinteressierten Laien liegen – „fachchinesische“ Begriffe werden vermieden oder aber separat erläutert.
Bremsrekuperation (von lateinisch recuperare = wiedererlangen, wiedergewinnen) bedeutet die Umwandlung der Bewegungsenergie beim Verzögern des Fahrzeugs in eine Energieform, die dem Antrieb wieder zugeführt werden kann. Die meisten Elektrofahrzeuge und Fahrzeuge mit Hybridantrieb nutzen das elektromotorische Bremsen zum Laden der Fahrzeugbatterie, weshalb diese Technik der Energie-Rückgewinnung in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung zunehmen wird.
Doch die Rückspeisung von Bewegungsenergie ist mitnichten eine modere Erfindung – neu ist lediglich, dass sie jetzt auch für Automobile verwendet wird. Konkreter: Bei Schienenfahrzeugen und Oberleitungsbussen gibt es eine solche Rückspeisung der Bewegungsenergie schon lange. Bei Automobilen kommt diese Technologie erst jetzt in Schwung, weil sie sich in Kombination mit einem Hybridantrieb besonders anbietet.
Zum besseren Verständnis des
Grundgedankens der Bremsrekuperation folgt ein kleiner Ausflug in die
physikalischen Zusammenhänge: Wie allgemein bekannt, wird zum Antrieb eines
Fahrzeugs Energie benötigt – diese Aufgabe erfüllt der an Bord mitgeführte
Kraftstoff (= chemische Energie). Die durch den verbrannten Kraftstoff erzeugte
Energie geht nicht verloren, sondern bleibt in der Bewegung des Fahrzeugs
gespeichert (= kinetische Energie). Dabei gilt der physikalische Grundsatz,
dass Energie nicht vernichtet, sondern lediglich in eine andere Energieform
umgewandelt werden kann.
Anstatt diese gespeicherte Bewegungsenergie durch die Bremse in nutzlose Wärmeenergie (= Reibung der Bremsbeläge auf den Bremsscheiben) umzuwandeln, wird über den elektromotorischen Widerstand eines in den Antrieb integrierten Generators verzögert und damit Strom erzeugt. Das dahinter stehende Prinzip kennt jeder Autofahrer vom Fahrraddynamo, der die Bewegung des Fahrrads durch die Drehbewegung des Dynamoantriebs in Strom für die Beleuchtung umsetzt.
Doch was passiert da eigentlich im
Innern eines sich drehenden Fahrraddynamos? Ganz einfach: Im Dynamo kreist der
von dem Reibrad auf der Felge angetriebene Dauermagnet mit zwei oder drei Polen
innerhalb einer Spule, die sich auf einem Blechpaket befindet. Durch das Drehen
gegen den elektromotorischen Widerstand wird mittels elektromagnetischer
Induktion innerhalb der Spule elektrische Energie erzeugt. Dass der beim
Stromerzeugen im Dynamo entstehende Widerstand ziemlich stark ist und das
Strampeln in die Pedale gehörig erschwert – auch diese Erfahrung kennt jeder
Fahrradfahrer. Exakt diesen Umstand machen sich die Automobilkonstrukteure
zunutze.
Um im Bild zu bleiben: Durch die Bewegung des Autos erzeugt der „Dynamo“ Strom, der zwischengespeichert wird. Wird der gespeicherte Strom zum Fahren oder Beschleunigen benötigt, leitet ihn die Regelelektronik wieder zum „Dynamo“ zurück. Der „Dynamo“ fungiert dann als antreibender Elektromotor. Beim Auto sitzt dieser bremsende „Dynamo“ meist in Form eines Spulenrings zwischen Motor und Getriebe. Nebenbei kann mit einem solchen Rekuperations-System die Lichtmaschine eingespart werden, die sonst das 12-Volt-Bordnetz versorgt, ebenso der Anlasser.
Für die aus der Bewegung des Autos zurückgewonnene Energie muss aber nicht unbedingt eine Batterie als Speichermedium dienen. Gleichermaßen können dafür Hochleistungs-Speicherkondensatoren als elektrostatische Energiepuffer zum Einsatz kommen, die den Verbrennungsmotor beim starken Beschleunigen für kurze Zeit unterstützen. Ein weiteres System zur Energiespeicherung kommt aus der Formel 1 und nutzt zur Energiespeicherung ein mit hoher Drehzahl rotierendes Schwungrad.
Angesichts der Flut an kommenden
Hybridfahrzeugen und der Einsparmöglichkeiten, die sich aus der
Bremsrekuperation ergeben, wird sich diese Technologie zügig etablieren. In der
Tat ist das „Regenerative Bremsen“ eine wirklich sinnvolle Entwicklung mit
echtem Sparpotenzial, und nicht nur eine unnütze weitere technische Spielerei,
die dem Autofahrer als Fortschritt verkauft werden soll.
Aber noch ein ganz anderer Aspekt
gewinnt an Bedeutung:
Durch den elektromotorischen Widerstand bremst der
Generator das Fahrzeug ab – erst bei stärkerer Verzögerung schaltet sich die
eigentliche Reibungsbremse dazu. So wird durch das elektromotorische Bremsen
die Entstehung von Fein- und Bremsstaub erheblich verringert. Dies gilt gerade
für den städtischen Bereich, in dem recht häufig, jedoch nicht stark gebremst
wird. Es lässt sich somit vermuten, dass die Rekuperations-Systeme helfen
werden, die bestehende Feinstaubproblematik in den Städten zu entschärfen.
Spannend wird zukünftig sein, inwieweit das elektromotorische Bremsen die Belastung und den Verschleiß einer herkömmlichen Bremsanlage beeinflussen wird. Denn, wie erläutert, ersetzt ein solches Bremsrekuperations-System die auf Reibung aufgebaute Betriebsbremse zumindest bei geringerer Verzögerungsleistung. An dieser Tatsache wird auch AT-RS als großer Fachanbieter für Bremstechnik nicht vorbeikommen.
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