Der Bremsassistent – ein versteckter Lebensretter

(Kommentare: 2)

Mittlerweile findet sich in fast jedem Auto ein sogenannter Bremsassistent (BA) – doch kaum ein Autofahrer weiß, was das eigentlich genau sein soll und was er bewirkt. 10 von AT-RS, dem Fachanbieter für Bremstechnik, befragte Autofahrer konnten weder erklären, wie ein Bremsassistent funktioniert noch wie er eigentlich dem Fahrer beim Bremsen assistiert. Stattdessen verwechselten manche der Befragten den Bremsassistenten sogar mit dem Bremskraftverstärker oder dem Bremskraftverteiler.

Was macht eigentlich ein Bremsassistent?

Das „Geheimnis“ um den Bremsassistenten zu lüften, ist der Anspruch dieses Artikels, wobei ganz bewusst auf „fachchinesische“ Begriffe aus dem ingenieurstechnischen Bereich verzichtet wird, um dem durchschnittlichen Autofahrer ein grundsätzliches Verständnis dieses wirklich sinnvollen Assistenzsystems zu vermitteln.

Denn: Der mittlerweile ganz selbstverständliche Bremsassistent ist laut Meinung von Unfallforschern ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit im Straßenverkehr, bewirkt er doch immerhin eine Verringerung der schweren Pkw-Unfälle um 12 Prozent. In Zahlen ausgedrückt: Bei einer durchgängigen Ausstattung mit Bremsassistenzsystemen werden in Europa jährlich rund 1.100 tödlich verlaufende Unfälle alleine mit Fußgängern vermieden.

Bremsweg mit und ohne Bremsassistent
Bremsweg mit und ohne Bremsassistent

Warum ein Bremsassistent?

Entwickelt wurde der Bremsassistent nach Untersuchungen von Auffahrunfällen. Dabei zeigte sich, dass der Hauptgrund für Auffahrunfälle in einem zu geringen Abstand zum Vorderfahrzeug bzw. in einer der Verkehrssituation unangepassten Geschwindigkeit lag. Nur selten waren technische Mängel an der Betriebsbremse der Grund dafür. Interessanterweise aber zeigte sich weiter, dass viele dieser Auffahrunfälle darauf zurückzuführen waren, dass das Bremspedal in einer Notsituation zu zaghaft betätigt worden war. Die mögliche Bremsleistung wurde dabei vom Fahrer nicht annähernd genutzt, die Regelgrenze des ABS längst nicht erreicht.

Die Auswertung machte klar: Viele Autofahrer trauen sich nicht, die Bremse in einer Notsituation voll durchzutreten. Hinter dieser Zurückhaltung steckt aber nicht nur mangelnde Erfahrung, sondern ebenso fehlendes technisches Verständnis und deshalb zum Teil schlichtweg die Angst, „etwas kaputtzumachen“. Damit sind rund ein Drittel aller Autofahrer nicht in der Lage, bei einer Vollbremsung die volle Verzögerungsleistung zu nutzen, d.h. bis an die Regelgrenze des ABS vorzustoßen. Besonders schlimm: Zum Teil erschrecken ungeübte Fahrer sogar und lassen die Bremse wieder los, weil sie zwar richtig gebremst haben, aber sich vom Eingreifen des ABS und dem dabei pulsierenden Bremspedal haben irritieren lassen.

Fahrervergleich: ungeübter / geübter Fahrer
Fahrervergleich: ungeübter / geübter Fahrer

So funktioniert der Bremsassistent

Die aus der Auswertung der Auffahrunfälle gewonnenen Erkenntnisse führten schließlich zum Bremsassistenten. Dieser erkennt anhand des Verhältnisses der Geschwindigkeit des Niedertretens des Bremspedals, der Geschwindigkeit des Loslassens des Gaspedals sowie des vom Fahrer erzeugten Bremsdrucks, ob eine Gefahrenbremsung vorliegt. Je nach Automobilhersteller werden noch zusätzliche Daten gewonnen und ausgewertet.

In der Praxis passiert dann Folgendes: Geht der Fahrer plötzlich vom Gas und tritt sehr schnell auf das Bremspedal, aber im Verhältnis nicht fest genug, geht der Bremsassistent von einer Gefahrenbremsung aus und greift ein. Dabei erhöht der Bremsassistent über den Bremskraftverstärker selbsttätig den Bremsdruck bis hin zur Blockiergrenze der Reifen, somit bis dem Eingreifen des ABS. Erst bei nachlassendem Pedaldruck durch den Fahrer verringert das System den Bremsdruck auf den vom Pedalweg vorgegebenen Wert.

Neue Systeme für noch mehr Sicherheit

Waren es bis vor einiger Zeit vor allem Oberklassefahrzeuge, die über einen Bremsassistenten verfügten, hat der Gesetzgeber längst die Sinnhaftigkeit dieses Sicherheitssystems erkannt. Dem folgend, müssen seit dem 24.02.2011 alle im Gebiet der EU in den Straßenverkehr gebrachten Neufahrzeuge mit einem Bremsassistenten ausgerüstet sein.

Doch die Entwicklung ist damit nicht am Ende – erweiterte Bremsassistenz-Systeme sind bereits verfügbar. Diese Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie mehrere Teilsysteme zu einem ganzheitlichen Sicherheitssystem verknüpfen. Dabei wird per Kamera und/oder Radarstrahl das Vorfeld des Fahrzeug abgetastet. Ein Abstandsregeltempomat kümmert sich um den Sicherheitsabstand zu den vorausfahrenden Fahrzeugen.

Pre-Safe-Bremse bei Mercedes Benz
Pre-Safe-Bremse bei Mercedes Benz

Je nach Entfernung und Eigenbewegung der erfassten Objekte verstärken diese neuen Bremsassistenz-Systems nicht nur die Bremskraft, sondern lösen sogar eigenmächtig einen Bremsvorgang aus. Bei einer plötzlich auftretenden Gefährdung – beispielsweise ein Kind springt auf die Fahrbahn, ein Radfahrer stürzt, ein Unfall geschieht auf der Fahrspur – greifen diese neuen Bremsassistenz-Systeme ganz ohne Zutun des Fahrers ein. Die bislang aufpreispflichtigen Bremsassistenz-Systeme werden je nach Fahrzeughersteller bzw. Automobil-Zulieferer unterschiedlich bezeichnet:

  • Daimler AG: Pre-Safe-Bremse
  • BMW: intelligent brake (iBrake)
  • Ford Motor Company: Active City Stop
  • Volvo: City Safety
  • Robert Bosch GmbH: Predictive Safety System (PSS)
Ablaufschema eines Bremsvorgangs mit der Pre-Safe-Bremse von Mercedes Benz
Ablaufschema eines Bremsvorgangs mit der Pre-Safe-Bremse von Mercedes Benz

Fazit

Unzweifelhaft ist der Bremsassistent gerade für Fahranfänger oder zögerliche Autofahrer hilfreich, da er durch das selbsttätige Verstärken der Bremskraft Unfallfolgen mildert und sogar Unfälle vermeidet. Die vom Gesetzgeber verfügte Ausrüstungspflicht für Neuwagen ist daher zu begrüßen. Allerdings gilt: Der Bremsassistent verkürzt zwar den Bremsweg, die Regeln der Physik kann er aber nicht außer Kraft setzen. Ohne ausreichenden Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug kommt es damit trotzdem zu einem Unfall.

Genau aus diesem Grund werden sich die vorgestellten, bereits auf dem Markt verfügbaren Bremsassistenz-Systeme etablieren. Der Weg der Entwicklung ist dabei vorgezeichnet: Heute noch sind diese sehr aufwändigen Systeme nur in teuren Oberklasse-Fahrzeugen zu finden, morgen schon werden sie kostengünstiger sein und Einzug in die kleineren Fahrzeugklassen halten. Die Prognose kann gewagt werden: Schon in wenigen Jahren werden alle Neufahrzeuge in der EU damit ausgerüstet sein müssen.

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Kommentar von Jauch |

sind unter den Neufahrzeugen, die seit 24.11.2011 in der EU in den Verkehr gebrachten werden und mit einem Bremsassistenten auszurüsten sind, auch alle LKW von betroffen? Fragt sich
MfG.Peter Jauch

Kommentar von Leser |

Guten Tag,
wann wurde dieser Artikel veröffentlicht? Ich finde dazu leider keine Angabe im Text.

Mit freundlichen Grüßen
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