Der richtige Reifendruck ist wichtig

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Jeder Autofahrer weiß es: Der Luftdruck der Reifen ist wichtig. Denn nur mit einem sauber auf Beladung, Außentemperatur und Einsatzbereich abgestimmten Reifenluftdruck stimmt die Straßenlage des Fahrzeugs. Hierbei sollten verantwortungsvolle Autofahrer den Luftdruck je nach Einsatzzweck des Fahrzeugs variieren – denn es ist eben nicht egal, ob man morgens alleine über die Landstraße auf die Arbeit fährt oder aber mit Frau, Kindern und Gepäck auf große Urlaubsfahrt geht.

Zu niedriger Luftdruck

Klar dabei dürfte sein: Ein zu niedriger Luftdruck wirkt sich negativ auf die Straßenlage aus, denn das Fahrverhalten wird schwammig. Damit hat ein zu niedriger Luftdruck in den Reifen direkte Wirkung auf die Fahrsicherheit. Hinzu kommt ein erhöhter Rollwiderstand, weil der Reifen nun „walkt“ und nicht mehr sauber abläuft. Infolgedessen erhitzt sich der Reifen übermäßig, was durch eine beschleunigte Versprödung der Gummimischung zu einer schnelleren Alterung führt.

Überdies verschleißt der Reifen ungleichmäßig, weil er vor allem auf den Profilflanken abläuft. Es gibt die Faustregel, dass bereits ein um 0,4 bar reduzierter Reifenluftdruck die Lebensdauer um ca. 30 % reduziert. Alles in allem führt ein zu niedriger Reifenluftdruck zu einem merklichen Steigen des Kraftstoffverbruchs, zu einem erhöhten Reifenverschleiß sowie zu einer Minderung der Verkehrssicherheit des Fahrzeugs.

Zu hoher Luftdruck

Auch ein zu hoher Luftdruck ist nicht förderlich, denn er führt zu deutlichen Komforteinbußen. Das ist gerade bei Niederquerschnittsreifen ein wichtiger Aspekt, denn diese Reifen besitzen bereits von Natur aus eine geringe Eigendämpfung, die mit einem erhöhten Luftdruck nochmals sinkt.

An dieser Stelle muss mit einem weit verbreiteten Trugschluss aufgeräumt werden: Ein erhöhter Luftdruck führt bei modernen Radialreifen (früher Gürtelreifen genannt) nur eingeschränkt zu einer schmaleren Aufstandsfläche der Lauffläche. Dies war wohl früher der Fall, als schlauchlose Radialreifen nur bei sportlichen Fahrzeugen und nicht überall serienmäßig aufgezogen waren. Bei den früher gebräuchlichen Diagonalreifen führte ein erhöhter Luftdruck tatsächlich zu einer Blähung und Rundung des gesamten Reifens, durch die die Lauffläche merklich schrumpfte.

Reifendruck überprüfen © Peter Atkins - Fotolia
Reifendruck überprüfen © Peter Atkins - Fotolia

Luftdruck korrekt einstellen

Wie es also richtig machen? Konsequenterweise sollte der Reifenluftdruck einmal im Monat geprüft und auf den vom Hersteller angegebenen Solldruck eingestellt werden. Vor der Fahrt in den Urlaub ist es zudem ratsam, den Luftdruck in den Reifen um ca. 0,2 bar zu erhöhen. Allerdings sollte nach großer Fahrt diese zusätzliche Luft wieder abgelassen werden.

Zum korrekten Procedere schreibt der Reifenhersteller MICHELIN: „Ein Reifenfülldruck muss am kalten Reifen kontrolliert werden. Das bedeutet, der Reifen wurde mindestens 2 Stunden nicht gefahren oder wurde weniger als 3 km bei niedriger Geschwindigkeit gefahren. Wird der Druck am betriebswarmen Reifen kontrolliert, so sind zum Solldruck 0,3 bar hinzuzurechnen.“

Pflichtprogramm

Wie wichtig die Kontrolle des Reifendrucks ist, zeigt auch die Pflicht dass alle ab 1. November neu zugelassenen Fahrzeuge über ein automatisches Reifendruckkontrollsystem (RDKS) verfügen müssen. Diese Systeme überprüfen den Reifendruck kontinuierlich an allen vier Reifen und melden einen Druckverlust direkt und unmittelbar im Cockpit des Fahrzeugs. Hierdurch wird der Fahrer des Problems deutlich eher gewahr als bei der manuellen Kontrolle und kann wesentlich schneller darauf reagieren. Mehr zu diesen Systemen finden Sie demnächst auch hier im Bremspunkt.

Füllung mit Stickstoff sinnvoll?

Eine ganz besondere Geschäftsidee wurde vor einigen Jahren geboren: das kostenpflichtige Befüllen von Autoreifen mit Stickstoff. Eine Füllung wurde für rund 10 Euro angeboten. Argumentiert wurde seitens der Anbieter, dass Stickstoffmoleküle viel größer seien als die der in der Luft enthaltenen Sauerstoffmoleküle, und deshalb nicht so schnell aus dem Reifen entweichen würden. Hinzu kam als zweites Argument, dass sich Stickstoff bei Erwärmung nicht so stark ausdehne, weshalb es konsequenterweise bei den Rennboliden der Formel 1 in die Reifen gefüllt werde.

Bei diesem Geschäftsmodell wurde jedoch dezent verschweigen, dass Luft, so wie sie in die Reifen gepumpt wird, bereits zu 78 % aus Stickstoff besteht. Lediglich 22 % beträgt die restliche Volumensumme aus Sauerstoff und Edelgasen. Schnell haftete deshalb der von Reifenmontagebetrieben beworbenen Befüllung mit Stickstoff der Ruch der „Geschäftemacherei“ an. Dies, zumal die Stickstofffüllung bei einer Beschädigungen des Reifens keinen Vorteil bot – denn die Gasfüllung entweicht genauso schnell aus dem Reifen wie normale Luft.

Auch der ADAC rät aus Kostengründen von einer Füllung der Reifen mit Stickstoff ab und ergänzt diese Ablehnung durch eine fachlich-physikalische Erläuterung: „Als ein – wenn auch fast zu vernachlässigender – Nebeneffekt kann festgehalten werden, dass ein mit Stickstoff befüllter Reifen den Innendruck etwas langsamer reduziert als ein gleicher Reifen mit Luftfüllung. Bei den Unterschieden handelt es sich um eine Größenordnung von 1/100 bar (!) über mehrere Monate. Die Molekülmasse von Stickstoff ist zwar geringer als die des Sauerstoffes, die für die Diffusionsgeschwindigkeit relevante Größe der Stickstoffmoleküle ist wegen der inneren Bindung zwischen den Atomen aber geringfügig größer.“

Reifenluftdruck bei Sport- und Rennfahrzeugen

Einen ganz anderen Stellenwert nimmt der Reifenluftdruck jedoch bei Sport- und Rennfahrzeugen ein. Unzweifelhaft spielt er eine wichtige Rolle in der Abstimmung des Rennfahrzeugs auf die Witterung, die Streckenbeschaffenheit, das Gripniveau, die Umgebungstemperatur und den Fahrstil des Piloten.

So wird beispielsweise bei Rennkarts, die im Gegensatz zu Formel-1-Fahrzeugen nur begrenzte Einstellmöglichkeiten bieten, der Reifenluftdruck ganz selbstverständlich als Korrektiv beim Setup eingesetzt. Grob gesagt gilt dabei: Mehr Luftdruck auf den Reifen der Vorderachse sorgt für Untersteuern, womit sich dem Übersteuern der Hinterachse entgegenwirken lässt.

Umgekehrt bewirkt mehr Luftdruck auf den Hinterrädern eine Reduzierung der Haftung und damit eine Tendenz zum Übersteuern bzw. zur Reduzierung des Untersteuerns. Natürlich sollte bei dieser Abstimmerei berücksichtigt werden, welche Achse die Antriebskraft auf die Straße bringen muss – denn die Reifen dieser Achse müssen selbstverständlich optimal eingestellt werden.

Bremsweg

Nicht zuletzt hat der richtige Luftdruck einen immensen Einfluss auf die Bremsleistung und damit den Bremsweg eines jeden Fahrzeugs. Ganz konkret: Ist der Luftdruck zu niedrig, steigt der Bremsweg; ist der Luftdruck zu hoch, steigt der Bremsweg ebenfalls.Deshalb unser Appell: Prüfen Sie den Luftdruck Ihres Fahrzeugs einmal im Monat, und vergessen Sie dabei nicht das Ersatzrad.

Gute Fahrt wünscht Ihnen das Team von AT-RS

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