Entlüften von Bremsanlagen

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Das Entlüften von Bremsanlagen dient der Sicherheit. Eine nicht ordnungsgemäß entlüftete Bremse neigt zur Dampfbildung bis hin zum Totalausfall des gesamten Systems. Die Bremsanlage ist ein hermetisch abgeschlossenes System und trotzdem kann über die Bremsflüssigkeit oder bei der Durchführung von Reparaturarbeiten Luftfeuchtigkeit hineingelangen und das Bremssystem unbrauchbar machen.

Technik im Wandel der Zeit

Bremsenentlüftungs- und Füllgerät Vario 5 II
Bremsenentlüftungs- und Füllgerät Vario 5 II
© Bodo Stier Hydrotechnik GmbH

Die Entlüftungstechnik von Bremsanlagen hat sich im Laufe der Jahre, zusammen mit der Bremsentechnik, kontinuierlich weiterentwickelt. Mittlerweile reichen das einfache Öffnen von Ventilen und das Pumpen mit dem Bremspedal, bei vielen Bremsanlagen nicht mehr aus, um eine Entlüftung zu gewährleisten. Die herkömmliche Methode ist zwar bei älteren Bremsen, ohne aktive Bremshilfen (ABS, BAS, etc.), noch durchführbar, verschwindet aber langsam vom Markt. Dieser Wandel zugunsten der modernen Bremsenserviceautomaten gewährleistet die zeitgemäße Entlüftung der Bremse.

Fehlerquellen

Die herkömmliche Entlüfterflasche sowie der geöffnete Bremsflüssigkeitsvorratsbehälter sind Schwachstellen, an denen die Bremsflüssigkeit mit der Außenluft (Luftfeuchtigkeit) in Kontakt kommt und diese aufnimmt. Moderne Entlüftersysteme saugen die Bremsflüssigkeit direkt aus dem Verkaufsgebinde an, was den großflächigen Luftkontakt unterbindet und die Gefahr des Verschüttens (Vorratsbehälter auffüllen) ausschließt. Bremsenservicegeräte können von einem Mechaniker alleine bedient werden. Sie bauen einen hohen Druck auf, der gewährleistet, dass die alte Bremsflüssigkeit komplett ausgetauscht wird (Strömungswirbel) und keine alte Flüssigkeit mehr in Ecken und Kanten verbleibt. Der sachgemäße Austausch benötigt ca. 2 Liter Bremsflüssigkeit, 0,5 Liter pro Bremse. Der hohe Druck (bis zu 180 bar) und die Spülung sichern den Entlüftungserfolg.

Ein zu hoher Feuchtigkeitsanteil (>3 %) provoziert bei starker Erhitzung der Bremsflüssigkeit den Totalausfall des Bremssystems. Der Siedepunkt der Bremsflüssigkeit muss also immer so hoch sein, dass eine Blasenbildung verhindert wird. Je höher der Feuchtigkeitsanteil in der Bremsflüssigkeit ist, umso niedriger ist der Siedepunkt. Ist der Siedepunkt erreicht, entstehen Dampfblasen im System. Wird nun das Bremspedal kurz losgelassen, schiebt die Bremsflüssigkeit die Blasen aus den Leitungen zurück in den Vorrats/Ausgleichbehälter. Wird nun wieder gebremst, wird zuerst die Dampfblase ins System geschoben und dort komprimiert. Das Kompressionsvolumen des Wasserdampfes zeigt sich am Bremspedal als extrem langer Pedalweg, der dem Fahrer das Gefühl gibt, mit dem Pedal tw. bis zum Bodenblech "durchzufallen". Durch schnelles, mehrfaches Pumpen kann die Situation verbessert werden, da aus den Nachlaufbohrungen im Hauptbremszylinder, bei jedem Pumpvorgang, frische Bremsflüssigkeit nachläuft.

Die sicherste Methode besteht darin, das Medium Bremsflüssigkeit regelmäßig alle 2 Jahre zu wechseln oder testen zu lassen. Werkstätten haben die Möglichkeit die Bremsflüssigkeit auf den aufgenommenen Wasseranteil zu prüfen, jedoch empfiehlt es sich aus wirtschaftlicher Sicht, direkt einen Wechsel durchzuführen. Die Möglichkeit der Prüfung kommt meist im forensischen Bereich zu Einsatz.

Bremsflüssigkeit Übersicht
Bremsflüssigkeit Übersicht © ATE

Es besteht zwar die Möglichkeit Bremsflüssigkeiten zu mischen, jedoch muss dabei akribisch auf die jeweilige DOT-Basis geachtet werden. DOT Klassifizierungen geben die Viskosität und die Neigung bzw. die Geschwindigkeit zur Wasseraufnahme (Hygroskopie) an. DOT-Bremsflüssigkeiten auf Silikonbasis dürfen keinesfalls mit anderen Klassen gemischt werden. Sie bieten aber den Vorteil der langsameren Wasseraufnahme, was längere Wechselintervalle ermöglicht. Ein weiterer Vorteil der Silikonbasis ist die niedrigere Viskosität, was sie für den Einsatz bei Fahrzeugen mit ABS, ASR, ESP und DTC, empfiehlt. Im Rennsport kommen Bremsflüssigkeiten mit Siedepunkten von ca. 300 Grad zum Einsatz, welche aber für den Straßenverkehr nicht zugelassen sind.

Entlüftungstechniken

Aufgrund der elektronischen Einbindung von bremsunterstützenden Sicherheitssystemen hat jeder Hersteller, für die jeweilige Bremsanlage seiner Fahrzeuge, einen Entlüftungsplan erstellt. Nur die strikte Einhaltung der Arbeitsschritte gewährleistet eine 100%ige Entlüftung des Bremssystems. Gerade bei mit ABS ausgerüsteten Bremssätteln ist es nicht gewährleistet, dass das Entlüftungsventil an der höchsten Stelle des Bremssattels angebracht ist. Somit ist die Gefahr sehr hoch, dass bei einer herkömmlichen Entlüftung, per Entlüfterflasche, alte Bremsflüssigkeit und Luft im Bremssystem verbleiben. Die Hersteller Bosch, ITT-Teves, Lucas, Nippodenso, u. a. liefern eine Vielzahl von Bremssystemen. Entsprechend der Herstellung, Ausführung und Bauart sind immer die entsprechenden Entlüftungshinweise zu beachten.

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