Schöne ScheiBe - ein kleiner "Rant" zur Schönheit von Bremsscheiben

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Schöne Bremsscheibe
Schöne Bremsscheibe

Hallo zusammen! Ich bin der Kai und habe die Ehre den ersten Beitrag hier in unserer neuen Kolumne "Ausgebremst" zu schreiben. Und es ist natürlich direkt eine Art "Rant" geworden ;)

Ich war den ganzen Sommer über mit unserem Donkey Max unterwegs und habe Euch auf vielen Veranstaltungen Rede und Antwort zum Thema Bremse gestanden. Dabei sind viele gute Gespräche zusammen gekommen und es hat meistens echt Spaß gemacht!

Das Thema, was mich nun aber schon etwas länger beschäftigt, lautet "Die Schönheit von Bremsscheiben". Durch den, in unseren bisherigen Publikationen immer mal wieder auftauchenden, geflügelten Slogan "Mach Deine Bremse schön", haben wir das Verhalten mancher Kunden vielleicht auch ein bisschen forciert - aber bei manchen Reklamationen muss man sich da mittlerweile echt an den Kopf fassen.

Auf das Thema der farbig beschichteten Bremsscheiben sind wir ja vor kurzem schon eingegangen.

Wenn ich mir einen Hammer im Baumarkt kaufe, stört es mich doch auch nicht, wenn die Beschichtung Farbunterschiede oder Kratzer im Material aufweist. Das Ding muss hart sein, der Stiel stabil und man muss Nägel damit versenken können. Flugrost? So what?!

Bei Bremskomponenten handelt es sich doch auch um nichts anderes: Werkzeug! Zwar nicht zum Hämmern, sondern zum Bremsen - aber das Prinzip ist dasselbe. Ein schwarzer Hammer ist nicht besser oder schlechter als ein silberner und Lack auf der Schlagfläche sieht ebenfalls nur bis zum ersten Nagel schön aus.

Natürlich gibt es auch beim Thema Werkzeug Unterschiede. Eine 5 Euro Ratsche aus der Grabbelkiste beim Obi behandelt man(n) sicher nicht so pfleglich, wie eine 80 Euro Hazet Knarre - obwohl man das gerade bei der tun sollte... Aber wie das halt immer so ist - vor allem bei uns Männern - man möchte mit seinem Werkzeug ja auch ein bisschen angeben. Ein vollausgestatteter Snap-On Werkzeugwagen mit blitzeblanken Werkzeugen in der Garage ist ja auch was Feines - zeugt aber nicht von dauerhaftem und ausgiebigem Einsatz desselben. Werkzeuge brauchen Macken, Kratzer und nen leichten Ölfilm - denn sie sind ja zum Arbeiten und nicht nur zum Ansehen gedacht. Und wenn man mit ihnen arbeitet, bekommen die Tools halt auch ihre Macken.

Natürlich gibt es Spezialisten, die es selbst bei härtester Schrauberarbeit hinbekommen, dass die Werkzeuge nach der Arbeit immer noch so aussehen, als kämen sie gerade aus der Fabrik. Aber sind wir doch mal ehrlich - nem guten Schraubenschlüssel macht es mal so gar nichts aus, wenn er mal auf den Werkstattboden knallt oder zum Öffnen einer Bierflasche missbraucht wird. Dadurch wir er nicht schlechter funktionieren!

Selbiges gilt auch für das Werkzeug Bremsscheibe. Klar ist es schön, solch ein perfekt rundes und filigran gearbeitetes Teil in Händen zu halten. Wenn es dann noch eine perfekte Oberflächenbehandlung ohne Kratzer und Staubeinschlüsse hat, möchte man doch am liebsten ne Uhr einbauen und sich die Scheibe an die Wand hängen.

Vollkommen legitim und nachvollziehbar!

Aber wenn man darüber nachdenkt, dass dieses schöne Teil - wenn es denn dann seiner prädestinierten Bestimmung nachkommen darf - bei der ersten Bremsung mit hoher Umdrehungszahl beidseitig von harten Bremsbelägen malträtiert wird und schnell Temperaturen jenseits der 300 Grad erreicht, die jegliche Beschichtung oder Lackierung einfach wegbrennen, sieht die Sache schon anders aus. Selbiges gilt für Streusalz, Schneematsch und andere garstige Witterungseinflüsse. Das überlebt keine Beschichtung lange und die eventuell beim Lager- oder Einpackvorgang entstandenen Kratzer rücken in die Unbedeutsamkeit.

In erster Linie geht es doch um die Leistung der Bremskomponenten. Sie sollen das Fahrzeug schnell und sicher zum Anhalten bewegen.

In der heutigen Zeit sind Internet-Foren unter Autoliebhabern und Hobbyschraubern ja sehr beliebt. Nützliche Tipps und Einbauanleitungen findet man hier zu Hauf. Aber oft geht es ja noch weiter und entwickelt sich in Richtung Stammtisch. Da wird über die Qualität von Legierungen lamentiert, der Vorteil von geraden oder gebogenen Nuten bis ins kleinste analysiert und der ein oder andere Hersteller mit seinen Produkten derart durch den Kakao gezogen, dass man meinen könnte, Mitarbeiter der Telekom und 1&1 oder BurgerKing und McDonalds würden sich gegenseitig ihre Produkte madig machen. Aber Fakt ist doch - jede Bremskomponente hat ihre Daseinsberechtigung. Der eine braucht halt nen DoppelWhopper um seinen Hunger zu stillen - anderen reicht hierfür schon ne kleine Pommes ohne Salz und Mayo. Aber beide Produkte tun genau das, für das sie bestimmt sind - Hunger stillen. Und dabei ist es fast egal, dass sie nicht so aussehen, wie auf den Produktfotos an der Theke. Keines von ihnen ist per se schlecht (okay, der Fastfood-Vergleich war vielleicht jetzt nicht der cleverste)... Fast so verhält es sich auch bei Bremsscheiben und Bremsbelägen. Bremsen tun sie alle - in jeglicher Kombination! Der Bremsbelag reibt an der sich drehenden Scheibe und erzeugt durch diese Reibung Wärme und Verzögerung. Punkt! Das Prinzip ist so alt wie das Rad, oder der Whopper, den ich vorgestern gegessen habe!

Aber man kann (und sollte) das Ganze natürlich auf sein Fahrzeug und seinen Einsatzzweck hin optimieren. Macht man bei seinen Fastfood-Vorlieben doch auch. Ohne Gurke aber mit doppelt Käse und die Cola ohne Eis? Meist kein Problem!
Belüftete Bremsscheibe mit gebogenen Schlitzen auf der Bremsfläche und Bremsbeläge die sowohl im Straßenverkehr als auch auf der Rennstrecke funktionieren? Wenn es eine ABE für Dein Fahrzeug gibt, ist auch das meist kein Problem.

Die Farbe der Beschichtung oder die Ausprägung der Oberfläche spielt im normalen Straßenverkehr doch eigentlich keine Rolle. Bei Show&Shine Fahrzeugen, die nie im Regen standen und auch sonst nicht bewegt werden, sehen die glänzenden Bremsscheiben natürlich super aus. Aber das ist wie bei den oben erwähnten Snap-On Tools in der Garage. Gearbeitet hat hier noch niemand mit! Die sind zum Angucken und Angeben und nicht zum Fahren gemacht. Und falls sie doch gefahren werden, kommen auf eine Stunde Fahrzeit gleich mal locker 3 Stunden Pflege- und Reinigungsarbeit.

Zusammenfassend kann man sagen - so lange die Bremsscheiben gerade und nicht krumm und die Bremsbeläge unversehrt sind und keine Ausbrüche am Kuchen haben, entsprechen sie den Spezifikationen. Etwaige Farbunterschiede oder Kratzer sind der Produktion, Lagerung oder dem Versand geschuldet - ändern aber nichts an der eigentlichen Leistungsfähigkeit der Produkte.
Ein zusammengedrückter BigMac hat schließlich auch genauso viele Kalorien wie sein schönes Vorbild aus der TV-Werbung und ein rostiger Hammer schlägt genauso hart zu, wie sein verchromtes Pendant!

Ich habe fertig! Und Hunger ;)

Euer Kai

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