Stillstand bei Sportwagen Bremsen?

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Sportwagen Bremse

Wenn man sich die Leistungswerte aktueller Sportwagen anschaut wird eins klar - sie werden immer besser und schneller. Doch schaut man sich mal die Entwicklung des Bremswegs über die letzten zehn Jahre an, ist diese Größe eher gleichbleibend und in einigen Fällen sogar zunehmend. Und mehr ist hier nicht besser!

Natürlich ist die isolierte Größe “Bremsweg” nur ein Aspekt, wenn es um z.B. Rundenzeiten geht, aber auffällig ist die Stagnation schon, wenn sich fast alle anderen Werte kontinuierlich verbessern.

Mittlerweile gilt es leider fast schon als Erfolg, wenn die Ingenieure es schaffen den Bremsweg auf Vorjahres-Niveau zu halten. Aber auch ein gewisser Anstieg des Bremsweges scheint tolerierbar zu sein. So liegt der Bremsweg bei 18 getesteten BMW-3er Modellen durchschnittlich bei 37 Metern und nahm in den letzten zwei Jahren eher zu, als ab.

Besonders auffällig ist die Zunahme des Bremsweges bei den 1er Cabrios - sie liegen aktuell teilweise schon wieder über der “magischen” 40-Meter Grenze und räumen damit wahrlich keinen Blumentopf mehr ab.

Die sportlichen M3-Modelle weisen zwar durch die Bank kürzere Bremswege auf als ihre “zivilen” Pendants, aber auch hier sind nicht die aktuellen Modelle die Gewinner, sondern das Modell aus 2008. Ähnlich verhält es sich bei den anderen M-Modellreihen - den besten Bremsweg erzielt ein BMW M6 aus Juli 2005.

Doch nicht nur BMW hat mit diesem Phänomen zu kämpfen - auch andere Hersteller bekleckern sich in Sachen Bremsweg nicht sonderlich mit Ruhm. So kommt bei 19 getesteten Audi TT Bremswegen auch nur ein mittelprächtiger Durchschnittswert heraus - lediglich die Bremswerte eines Sondermodells mit Sportreifen und das aktuelle Modell stechen aus dem Mittelmaß heraus.

Aber es geht natürlich auch noch schlechter als Mittelmaß - die aktuellen Mercedes SLK Modelle verzögern z.B. signifikant schlechter als ihre Vorgänger.

Schaut man sich hingegen Jaguar oder Porsche an, wird ersichtlich, dass Verbesserungen im Bereich der Bremse durchaus machbar sind. Jaguars Sportmodelle bremsen von Jahr zu Jahr besser und Porsche schafft es fast jeden 911er binnen 32-33 Metern zu stoppen. Das sind Spitzenwerte von denen andere Sportwagenhersteller nur träumen können.

 

Vielfältige Gründe

Doch woran liegt diese Entwicklung? Die verbaute Hardware kann nicht der Grund sein - hier sind tellergroße Sportbremsscheiben und große Vielkolben-Bremssättel mittlerweile Standard. Bei einigen Herstellern scheinen schlecht abgestimmte und schlecht regelnde ABS-Systeme das Hauptproblem zu sein. Hier wird wohl oft aus Kostengründen auf Standard-Setups gesetzt, da die Feinabstimmung solcher Systeme Entwicklungsaufwand und somit Geld kostet. Audi und VW standen diesbezüglich in letzter Zeit im Fokus.

Bei BMW ist es die Bremskraftverteilung. Hier wird bei einigen Modellen aus Sicherheitsgründen zu viel Bremskraft zu den Vorderrädern geleitet, was einen deutlichen Performanceverlust zur Folge hat. Das selbe Problem hat übrigens auch der Audi RS5.

Letztendlich ist es aber auch das immer höher werdende Fahrzeuggewicht, was Probleme bereitet. Was sich heute so Sportwagen nennt, ist schon längst kein reiner, athletischer Sportwagen mehr. Die Hersteller von Fahrzeugen der sportlichen Mittel- bis Oberklasse müssen einen ziemlichen Spagat hinlegen und die Fahrzeuge gleichzeitig als komfortable Reiselimousine, vollausgestattetes Luxus-Trackday-Spielzeug und Einkaufswagen konzipieren. Und da landet man halt schon mal schnell bei einem Gesamtgewicht von 2 Tonnen. Motoren und Reifen kommen dieser Entwicklung recht gut hinterher, aber die Bremsanlagen der Sportwagenhersteller sind oft schlichtweg überfordert und kommen mit den Gewichten nicht mehr klar. Nicht umsonst (und das ist wörtlich zu nehmen!) lassen Hersteller wie z.B. Mercedes mit den “Black Series” Modellen, es sich gut bezahlen mittels Carbon und Leichtbau aus Oberklasse-Sportlimousinen wieder halbwegs streckentaugliche Fahrmaschinen zu kreieren.

Doch hier muss seitens der Hersteller dringend noch mehr passieren und auch mal Geld für den Aspekt Bremse in die Hand genommen werden. Zwar ist sicher nicht jeder Sportwagenkunde auf der Rennstrecke unterwegs und bemerkt die Defizite seiner Bremsanlage, aber sobald sich doch mal einer dort hin verirrt und sein Fahrzeug “artgerecht” bewegt, sieht es schon deutlich anders aus.

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