Temperaturbereich der Bremse

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Einige von Euch fragen sich: Was kann ich tun, damit meine Bremse bei höherer Belastung nicht heiß läuft. Wie bekomme ich mehr Luft an die Bremse, wenn ich mein Fahrzeug tiefer gelegt habe oder sonstige Modifikationen vorgenommen habe?

Zuerst einmal: Glückwunsch - Du bist mit Deiner Fragestellung schon weiter, als viele Deiner Kollegen!

Der Temperaturbereich der Bremse ist ein wichtiger Faktor für die Leistungsfähigkeit der Bremse. Renn-Komponenten sind darauf ausgelegt in einem höheren Temperaturbereich zu funktionieren als Serienkomponenten, die auch im Kalten ordentliche Leistungen abliefern müssen. Dafür verlieren letztere bei Temperaturen über ein paar hundert Grad Celsius schnell an Leistung, fangen an zu faden und verglasen im schlimmsten Fall, was den Komplettaustausch mindestens der Bremsbeläge zur Folge hat.

Um nun mit straßentauglichen Bremskomponenten auch auf der Rennstrecke einigermaßen akzeptable Ergebnisse erzielen zu können, müssen wir diese in einem Temperaturbereich halten, in dem sie sich wohl fühlen. Nur in diesem Bereich können sie ihre Leistung voll entfalten.

Nun gibt es mehrere Möglichkeiten an diese Problematik heran zu gehen:

Passende Bremskomponenten für den zu erwartenden Temperaturbereich

Temperatur / Reibwert Bremsbeläge
Temperatur / Reibwert Bremsbeläge

Die Cracks unter den Sportfahrern, die mit Ihrem Fahrzeug an Track-Days auf den Rennstrecken dieser Welt unterwegs sind, halten es wie z.B. Hallenfußballer. Ein Paar Schuhe für über den Weg und spezielle Schuhe für die Halle. So nutzen diese Fahrer z.B. Bremsbeläge mit Straßenzulassung für den Weg zur Rennstrecke - bauen vor Ort auf Renn-Bremsbeläge um und wechseln für die Heimfahrt wieder auf die Straßenbeläge. Sicher eine aufwändige Prozedur, die auch nicht jeder mal eben so machen kann und will.

Lufteinlässe in der Frontschürze (Trichter, Schläuche, Kabelbinder)

Komponenten Bremsbelüftung
Komponenten Bremsbelüftung

Wer seiner straßentauglichen Bremse auf der Rennstrecke etwas Gutes tun möchte, den Ein- und Umbau von Renn-Bremskomponenten vor Ort aber scheut, kann zusätzliche Luft auf die Bremse bringen und diese so kühlen. Hierdurch läuft sie länger im akzeptablen Temperaturbereich und erreicht diesen auch schneller wieder, wenn sich durch viele harte Bremsungen viel Hitze in der Bremse aufgebaut hat.

Hierzu werden üblicherweise Lufteinlasstrichter in der Frontschürze eingelassen (z.B. dort, wo bei vielen Fahrzeugen die Nebelscheinwerfer sitzen) und die dort eintretende kühle Luft, mittels vernünftig dimensionierter Luftschläuche in Richtung Bremse transportiert. Befestigt werden die Einlasstrichter meist durch Schrauben und Einlaminieren - die Luftschläuche werden meist einfach ganz profan mit Kabelbindern befestigt.

Eine weitere Möglichkeit sind spezielle und fahrzeugspezifisch geformte Luftleitbleche. Diese werden an Querlenker, Unterboden oder auch an anderen Stellen so positioniert, dass sie den unter dem Fahrzeug verlaufenden Luftstrom teilweise in Richtung Bremse leiten und diese somit ebenfalls kühlen.

Es gibt aber auch Fahrer, denen ist die ganze Kabelbinder- und “in Richtung Bremse pusten” Geschichte nicht genug. Gerade bei Fahrzeugen, die öfters mal als Tracktool benutzt werden oder gar ausschließlich für diesen Einsatzzweck konzipiert werden, macht es Sinn sich grundlegend mit dem Thema Bremsenbelüftung und -kühlung auseinander zu setzen.

Genau das hat Dirk Meier bei seinem BMW 328i Touring getan. Nicht nur, dass er den eigentlich eher unauffälligen Kombi mit leistungsstärkerer M3 Technik und vielen weiteren rennsporttauglichen Kompontenen ausgestattet hat - er hat sich auch grundlegend mit dem Thema Bremse und deren Belüftung auseinander gesetzt. Resultat: Ein vorbildliches Brems-Belüftungs-Konzept mit Einlasstrichtern in der Frontschütze, ordentlich dimensionierten und befestigten Luftschläuchen und -rohren sowie eigens für dieses Fahrzeug entwickelten bremsseitigen Belüftungsadaptern. Hierdurch wird die an der Front einströmende Luft direkt und ohne große Verluste in die Innenseite der Tarox F2000 Sport-Bremsscheiben gepresst und kühlt das Bremssystem exzellent. Die verbauten Pagid RS 29 Bremsbeläge können also nicht so schnell mehr in Temperaturbereiche kommen, in denen sie sich nicht wohl fühlen.

Bremsbelüftung BMW 328i Touring - Dirk Meier
Bremsbelüftung BMW 328i Touring - Dirk Meier

Wer möchte, kann sich das Fahrzeug mit all seinen Details in unserer Kundengalerie ansehen - ein Klick aufs Bild bringt Euch direkt dort hin.

Das schöne ist: Von außen sieht man dem Fahrzeug die ganzen Modifikationen und Verbesserungen nicht an. Wer genau hinsieht, wird zwar ahnen, woher der Wind weht, aber interessant wird es erst bei 250 km/h auf der Autobahn. Da blinkt der BMW nämlich nochmal links (ja, hier können sogar BMWs blinken ;) ) und zieht mit maximal 286 km/h lächelnd an Euch vorbei....

Turbinenfelgen zur externen Belüftung einsetzen

Turbinenfelge
Turbinenfelge

Das Thema hatten wir vor einiger Zeit schon mal. Hierbei setzt man Felgen ein, deren Stege wie Turbinenschaufeln geformt sind. Durch die laufrichtungsgebundenen Luftschaufeln soll die erwärmte Luft aus dem Radhaus und weg von der Bremse gezogen werden und diese durch einen steten Luftzug kühlen. Richtig effektiv sind die meisten dieser Turbinenfelgen aber leider nicht - oft wird von den Felgen-Herstellern auch “vergessen”, dass man für jede Fahrzeugseite eine separate Gussform benötigt - sonst drehen die Felgen sich auf einer der Fahrzeugseiten nämlich falsch herum und "saugen" Luft von außen an und pressen diese unters Fahrzeug... Und das will man ja irgendwie auch nicht ;)

Flüssigkeitsgekühlte Bremssättel einsetzen

flüssigkeitsgekühlter Brembo-Bremssattel
flüssigkeitsgekühlter Bremssattel © Brembo

Hiermit begeben wir uns in Regionen, die eindeutig dem Renn- und Rallyesport zuzuordnen sind. Es gibt Bremssättel, die explizit für WRC und GT Fahrzeuge konzipiert sind und über eine Flüssigkühlung verfügen. Durch die in den Bremssätteln zirkulierende Kühlflüssigkeit kann die Temperatur der Bremssättel um bis zu 100 Grad Celsius gesenkt werden. Die hohe Kühlleistung ermöglicht auch die Montage von Bremsbelägen, die sonst durch ihre aggressive Mischung zu viel Temperatur ins Bremssystem bringen.

Die Kombination macht´s!

Je nach geplantem Einsatzzweck des Fahrzeugs, setzt man hier am besten auf eine Kombination aus den genannten Möglichkeiten.

Für den normalen Straßenverkehr ist eine zusätzliche Bremsbelüftung eigentlich nur dann notwendig, wenn man sein Fahrzeug derart modifiziert, verspoilert und tiefer gelegt hat, dass die normale Bremsbelüftung behindert wird. Bei einigen Fahrzeugmodellen, deren serienmäßige Bremse generell schlecht konzipiert ist, kann zusätzlich Kühlung aber auch hier ein Sicherheitsplus bedeuten.

Hintergrund: Bremsbeläge für den Straßenverkehr sind vom Temperaturbereich so konzipiert, dass sie schon bei niedrigen Temperaturen gute Bremsleistungen erzielen. Je heißer es wird, umso mehr büßen sie an Bremsleistung ein. Da man im normalen Straßenverkehr aber seltenst mehrere Vollbremsungen hintereinander macht und die Bremsbeläge derart in den Grenzbereich bringt, reicht es hier meist auf vernünftiges Material zu setzen.

Soll das Fahrzeug auch mal sportlich, evtl. sogar auf der Rennstrecke eingesetzt werden, macht es je nach eingesetztem Material durchaus Sinn, eine zusätzliche Bremsbelüftung zu installieren. Gerade wenn man mit "normalen" Bremsbelägen auf "bremsenmordenden" Rennstrecken wie dem Hockenheimring oder der Nürburgring-GrandPrix-Strecke unterwegs ist, ist es wichtig, die Bremse nach dem harten Einbremsen schnell wieder auf Idealtemperatur zu bringen um für die nächste Kurve wieder volle Leistung zu haben.

Anders sieht es bei expliziten Renn-Bremsbelägen aus. Da diese erst ab einer recht hohen Temperatur ihren "Biss" bekommen, kann eine Bremsbelüftung hier sogar kontraproduktiv sein.

Nicht vergessen: Die Bremsflüssigkeit!

Da wir gerade bei Facebook netterweise noch drauf hingewiesen wurden (danke an Luke Fox) - hier noch eine kleine Ergänzung zum wichtigen Thema Bremsflüssigkeit. Mit steigendem Alter der Bremsflüssigkeit sinkt der Siedepunkt und es können schon bei etwas höheren Temperaturen im Bremssystem Dampfblasen entstehen, die das Bremsen durch ihre Kompessibilität unmöglich machen. Man tritt dann quasi ins Leere und der Ausritt in die Rabatte ist vorprogrammiert.

Warum es wichtig ist die Bremsflüssigkeit alle paar Jahre auszutauschen, haben wir vor einiger Zeit in einem separaten Blogbeitrag schon mal thematisiert. Deshalb hier nur die Kurzform: Durch die hygroskopische Eigenschaft von Bremsflüssigkeit - also der Fähigkeit Wasser zu binden - sinkt der Siedepunkt der über die Jahre mit Feuchtigkeit angereichterten Mischung. Je höher die Konzentration des gebundenen Wassers ist, umso niedriger liegt der Siedepunkt und umso früher fängt die Bremsflüssigkeit (genauer gesagt das Wasser) an zu kochen und Gasblasen zu bilden. Die Folge haben wir oben schon beschrieben - das Bremspedal fällt ins Leere und die Pedalkraft komprimiert nur das Gas und wird nicht an die Nehmerzylinder weitergeleitet.

Also an dieser Stelle nochmals der Aufruf an alle - prüft Eure Bremsflüssigkeit und tausch sie aus, bevor etwas passiert.

Und wo bekommt man diese Komponenten?

Einige der oben angesprochenen, grundlegenden Belüftungs-Komponenten bekommt Ihr bei uns im Shop. In der eigens dafür angelegten und fahrzeugunabhängigen Kategorie “Bremsbelüftung” haben wir viele Halterungen, Lufteinlassführungen Schlauchklemmen, Schläuche und Montagematerial gelistet, mit deren Hilfe Ihr Euer eigenes Bremsbelüftungskonzept realisieren könnt.

Bremsbeläge und Bremsscheiben für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke findet Ihr wie gewohnt bei Eurem jeweiligen Fahrzeug. Einfach Hersteller und Modell auswählen - schon habt Ihr die Auswahl von Serie bis Motorsport.

Solltet Ihr Hilfe bei der Auswahl benötigen und gerne den Rat eines Experten haben wollen, stehen Euch unsere Fachberater gerne zur Verfügung. Entweder telefonisch unter 02163/9499840 oder über unser Kontaktformular.

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Kommentar von Helmut Höning |

Fahre eine Yamaha GTS 1000 und möchte mir eine zum fahren auf der Rennstrecke fertig machen. Da mann für dieses Motorrad keine original Bremsscheiben mehr kaufen kann möchte ich mir Reibringe anfertigen lassen. Das Problem ist nur die Größe 320 mm Durchmesser 14mm dicke. Welchen Stahl sollte man dafür nehmen da die Originale Innenbelüftet ist und der Nachbau dann zu kostenintensiv wäre tendiere ich zu voll Material. 1.4021 in verbindung mit Sinter Bremsbelägen. Ist die Kombination möglich oder was würden sie vorschlagen.

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