Verlängerter Bremsweg bei falschem Luftdruck

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Das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) im Fokus

Reifendruckkontrollsysteme sind ein aktuelles Thema und viele Neufahrzeuge, die vor dem 1. November 2014 zugelassen wurden, sind damit ausgerüstet. Ab dem 1. November 2014 müssen alle neuen Autos und Wohnmobile in der EU mit einem Reifendruckkontrollsystem (RDKS) ausgestattet sein. Diese Systeme werden zwar seit einigen Jahren bereits von vielen Fahrzeugherstellern verbaut, neu ist jedoch der Pflichteinbau für jedes neu zugelassene Fahrzeug ab November 2014. Die neue Regelung verteuert den Reifenwechsel zwar für die Autofahrer - aber sie profitieren auch davon:

Der Reifenhersteller Bridgestone hat in einer Studie festgestellt, dass nur knapp 40 Prozent der Autofahrer regelmäßig den Reifendruck überprüfen. Ein zu niedriger oder auch zu hoher Reifenfülldruck setzt die Fahreigenschaften eines Autos deutlich herab. Jedoch gibt es auch weitere Faktoren, die zur Bedeutung des korrekten Reifendrucks beitragen. Auf der einen Seite wird Kraftstoff gespart und auf der anderen Seite findet eine gleichmäßige Abnutzung des Reifens statt. Bei zu geringem Druck werden die Reifen stärker beansprucht: Schon bei 0,3 bar Minderdruck verringert sich die Laufleistung eines Autoreifens um 30 Prozent.

 

Falscher Reifendruck - wie wirkt er sich auf das Fahr-/Bremsverhalten und den Bremsweg aus?

Reifenluftdruck prüfen ist nicht die Lieblingstätigkeit eines Fahrers und wird deshalb auch schon einmal vernachlässigt. Mit der neuen EU-Verordnung und der Einführung des serienmäßigen RDKS in allen Neufahrzeugen hat das lästige Prüfen nun ein Ende und der Reifendruck ist immer im Fokus der Fahrers. Die bequeme Reifenluftdruckprüfmethode hat auch einen positiven Aspekt in Bezug auf Fahrkomfort und Verkehrssicherheit.

Zerstörter Reifen
Zerstörter Reifen -
© taviphoto - Fotolia.com

Sobald der Luftdruck in nur einem Reifen einer Achse nicht ausreichend ist, z. B. 1 bar fehlt, verlängert sich der Bremsweg eines Autos bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h von 52 auf 56,5 Meter. Ein Minderdruck in den Reifen wirkt sich gleichzeitig auf die Betriebssicherheit des ABS aus, das bei unterschiedlichen Reifendrücken (abweichende Abrollradien) nicht optimal arbeitet. Darüber hinaus setzt bei zu geringem Reifendruck, eine zerstörende Walkarbeit der Reifenflanken ein, die im Extremfall zur Zerstörung des Reifens, im Fahrbetrieb führen kann. In Kurven schlägt der Fehlerteufel besonders hart zu. Ist der Luftdruck zu gering, können die vorherrschenden Seitenführungskräfte des Reifens die Zentrifugalkraft plus Wankmomente, nicht mehr kompensieren und das Fahrzeug gerät ins Schleudern. Ist das Fahrzeug voll beladen, wird der Effekt proportional erhöht. Bei einem Zusammentreffen dieser Negativaspekte, resultierend aus einem Reifenminderdruck, kann auch ein ESP nicht mehr regulierend eingreifen.

 

Sicher Fahren und Geld sparen

Der Bundesverband des Reifenhandels und Vulkaniseur-Handwerks (BRV) verkündet, dass mit dem richtigen Reifendruck zirka 40 Liter Kraftstoff pro Jahr gespart werden. Die konkreten Ersparnisse belaufen sich auf 50 bis 60 Euro. Dieser wirtschaftliche Nutzen durch die höhere Laufleistung der Reifen noch einmal um 45 % erhöht. Rechnet man die geldwerten Vorteile auf eine jährliche Fahrleistung von 15.000 Kilometern, amortisieren sich die Mehrkosten bereits nach drei Jahren.

 

Wie funktioniert die Technik hinter der praktischen Errungenschaft (RDKS), die nun in jedem Kraftfahrzeug, dass in Deutschland zugelassen wird, verbaut ist?

Hier ist wichtig zu wissen, dass es zwei Modelle der Luftdruckkontrolle gibt. Zum einen das direkte Messsystem und zum anderen das indirekte Messsystem. Wieso zwei und was steckt dahinter?

 

Direkt messendes Reifendruckkontrollsystem
Direkt messendes Reifendruckkontrollsystem -
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Das direkt messende System

Ein direktes Reifendruck-Messsystem erhält seine Daten über den aktuellen Reifenluftdruck, mittels Sensoren, die den Druck und die Lufttemperatur messen. Das System steht in ständigem Funkkontakt mit dem Anzeigegerät im Cockpit. Bei einer Abweichung des Reifendrucks bzw. einer unnormalen Erhöhung der Temperatur warnt das Anzeigegerät den Fahrer und er kann sofort Maßnahmen ergreifen. Die Sensoren sind meist direkt mit dem Reifenventil verbunden oder darin integriert. Die Sensoren unterliegen einem permanenten Verschleiß und müssen nach etwa 200.000 Km ausgetauscht werden, bevor sie ungenaue oder falsche Messungen liefern. Diese Bauform ist in Fahrzeugen zu finden, die werkseitig mit einem Kontrollsystem (RDKS) ausgerüstet wurden.

 

Auswahl bei Reifendruckkontrollsystemen
Auswahl bei Reifendruckkontrollsystemen -
© Karin u. Uwe Annas - Fotolia.com

Nachrüstbare, direkte Kontrollsysteme

Die Sensoren einer dieser Systembauweisen werden mit einem Befestigungsband direkt mit der Felge verbunden. Bei dieser Version besteht die Gefahr, dass sich das Fixierband lockert und ungenaue Werte übermittelt werden. Löst sich ein Fixierband komplett, zieht das meist schwere Reifenschäden nach sich. Der Nachteil dieser einfachen Nachrüstmethode liegt darin, dass eine Anbringung der Komponenten nur im demontierten Zustand möglich ist. Aus diesem Grunde nutzen viele Fahrer den saisonabhängigen Reifenwechsel für die Nachrüstung. Die Übermittlung der Referenzwerte ans Cockpit erfolgt per Funksignal und ist somit stromabhängig. Die Energieversorgung ist per Spezial-Batterie sichergestellt, welche eine Standzeit von mehreren Jahren aufweist.

Bei anderen Reifendruckkontrollsystemen werden die Reifenventile genutzt, um die sensiblen Sensoren zu integrieren. Einige Systeme sehen die Auswechslung des Ventils vor, bei anderen ist der Sensor in der Ventilkappe integriert, welcher einfach aufgeschraubt wird. Dieses aufschraubbare Sensorteil birgt jedoch den Nachteil, dass es aufgrund der Baulänge über den Felgenrand hinaus ragen könnte und dementsprechend anfällig für Schäden sein kann. Ebenso wird die Zentrifugalkraft durch die Länge des aufgeschraubten Sensors erhöht und kann bei hohen Geschwindigkeiten im schlimmsten Fall zum Abriss des Ventils führen. Auch bei den Ventilbauvarianten erfolgt die Datenübermittlung per Funk. Ein Übermittler bzw. ein Verstärker der Signale ist oftmals im Radkasten integriert und leitet von dort die Informationen zum Anzeigegerät im Cockpit.

 

Indirekt messendes Reifendruckkontrollsystem
Indirekt messendes Reifendruckkontrollsystem -
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Indirekt messende Reifendruckkontrollsysteme

Das indirekte Reifendruckkontrollsystem arbeitet mit Systemkomponenten wie ABS und ESP, die bereits im Fahrzeug vorhanden sind und die nötigen Daten liefern. Der Unterschied zu den direkten Reifendruckkontrollsystemen besteht darin, dass diese indirekten Systeme nicht den Reifenluftdruck messen, sie erfassen Umgebungsfaktoren, die auf einen Druckverlust im Reifen hindeuten. Hierbei werden primär zwei Messgrößen herangezogen, der Abrollumfang und der Frequenzeffekt. Der Bordcomputer bezieht von den ABS/ESP Sensoren die aktuellen Messdaten, die zur Akkumulation einer aussagekräftigen Referenzgröße für den Reifenluftdruck dienen. Diese wird dem Fahrer auf dem Anzeigegerät im Cockpit angezeigt und warnt bei einem Druckabfall. Ein Fallbeispiel: Ein Reifen verliert langsam Luft, der Druck wird geringer. Durch die Reduzierung des Reifendrucks findet zugleich eine Verringerung des Abrollradius‘ des Rades statt. Daher dreht sich dieses schneller als die anderen Räder. Diese Differenz wird vom Bordcomputer als Druckabfall gewertet und dem Fahrer im Cockpit durch eine Warnung angezeigt. Systeme die bereits vorhandene Daten als Referenzwert für den Reifenluftdruck nutzen sind wesentlich preisgünstiger, reagieren jedoch erst bei einem Druckverlust von zirka 0,5 bar.

 

Fazit:

Ein direktes Reifendruckkontrollsystem zeigt präzisere Werte an als ein indirekt messendes System. Allerdings ist es wegen der aufwendigen Komponenten, erheblich teurer als die indirekten Systeme. Indirekte Systeme beziehen ihre Werte über den Bordcomputer, somit entfallen die Kosten für teure Batteriewechsel in Übertragungselementen und den Sensoren. Ein direkt messendes Reifendruckkontrollsystem (RDKS) ist das bessere und professionellere System. Ein indirektes Reifendruckkontrollsystem punktet mit einem günstigen Anschaffungspreis und den entfallenden Betriebskosten.

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