Volkswagen: Auf dem Weg zur Weltspitze – oder in den Konkurs?

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Seit vielen Jahren wird vom Wolfsburger Vorstand postuliert, dass der Volkswagen-Konzern konsequent an die Weltspitze des Automobilbaus strebt. Wie sich nun zeigt, versucht er das mit allen Mitteln – und seien diese noch so unlauter. Nun aber ist fraglich, wann oder ob sich überhaupt der eingeschlagene Weg zur Weltspitze zukünftig fortsetzen lässt.

Bei Volkswagen geht es seit dem Bekanntwerden der Abgasmanipulationen rund – und zwar in einer Weise, dass keineswegs klar ist, ob der gesamte Wolfsburger Konzern in dieser Form bestehen bleibt. Die zentrale Frage ist unserer Meinung nach, wie gutgläubig, leichtsinnig oder aber dreist ein Management sein muss, um ein solches Manipulationsprogramm in die Steuergeräte von 11 Millionen Motoren zu packen. Glaubten die Verantwortlichen tatsächlich, dass ein solch umfangreicher Betrug unentdeckt bleiben wird? Bei so vielen Mitwissern?

Es ist ja nicht so, dass ein einzelner Mitarbeiter ein solches Programm in einer dunklen Ecke schreibt und dies dann klammheimlich in eigener Verantwortung in ein Steuergerät packt. Nein, und das macht die Angelegenheit so richtig spannend, hinter diesem Betrug steckt planmäßiges Vorgehen, das von höchster Stelle angewiesen und koordiniert werden musste. Dementsprechend viele Mitarbeiter bei Volkswagen wussten davon. Und tatsächlich wurde nun bekannt, dass dieses Programm aus Kostengründen eingebaut wurde, um die Motoren möglichst billig produzieren zu können. Als nächste Frage steht im Raum, inwieweit Zulieferer wie Bosch von dieser Manipulation unterrichtet waren.

Die Rache des Ferdinand Piëch?

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch, dass diese Manipulation nur wenige Tage vor der Vertragsverlängerung von Martin Winterkorn als Vorstandsvorsitzendem bekannt wurde. Damit kommt unweigerlich die Frage auf, ob das vielleicht die späte Rache von Ferdinand Piëch war. Jeder, der die Karriere dieses Ausnahmemanagers über die Jahrzehnte verfolgt hat, war schon ein wenig verwundert, wie still sich der Patriarch im Frühjahr 2015 nach der verlorenen Schlacht im Vorstand zurückgezogen hatte. Monatelang war Piëch untergetaucht gewesen.

Doch pünktlich zur IAA, als die Manipulation bekannt wurde, schlenderte er mit seiner Frau Ursula durch die Messehallen in Frankfurt als sei nichts gewesen. Wusste Piëch also bereits im Frühjahr von den Manipulationen? Wusste er vielleicht schon viel länger davon und hat jetzt erst »die Katze aus dem Sack gelassen«? Nebenbei: Mit Matthias Müller ist nun exakt der Manager Vorstandsvorsitzender geworden, den Piëch als Nachfolger von Martin Winterkorn erkoren hatte. Gegen die Rachethese spricht freilich, dass Ferdinand Piëch klar sein musste, dass der VW-Aktienkurs senkrecht fallen würde.

Fakt ist, dass das Programm ab 2008 verwendet wurde. Im Jahr 2008 war Bernd Pischetsrieder nicht mehr der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, denn er war zu diesem Zeitpunkt bereits unsanft von Ferdinand Piëch hinausgekegelt worden. Die Verantwortung im Konzernvorstand für den Geschäftsbereich »Forschung und Entwicklung« und damit auch für die verwendete Software lag seit dem Jahr 2000 bei Martin Winterkorn, der per 1. Januar 2007 zum Vorstandsvorsitzenden gewählt wurde. Warum allerdings bis jetzt noch kein Journalist bei Ferdinand Piëch angeklopft und nachgefragt hat, wo er doch die ganzen Jahre als Vorsitzender des Aufsichtsrats fungierte? Gute Frage!

Wie geht es weiter in Wolfsburg?

Tatsächlich ist es doch so, dass das Volkswagen-Management die jüngsten Entwicklungen im Automobilbereich verschlafen hat. Toyota prescht bereits mit einem Wasserstoffauto vor, das in Serie gebaut und den Japanern trotz des hohen Preises aus den Händen gerissen wird. Elektropionier Tesla hat gerade das zweite Modell vorgestellt, im übernächsten Jahr kommt ein kostengünstiges Kompaktfahrzeug auf den Markt. Bei GM bzw. Opel steht das Modell BOLT (nicht zu verwechseln mit dem VOLT) in den Startlöchern. 320 Kilometer Reichweite mit einer Batterieladung gibt es ab 2017 für 30.000 Euro zu kaufen.

Und bei Volkswagen? Das Öko-Feigenblatt VW XL 1 benötigt zwar nur einen einzigen Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer Fahrstrecke, kostet dafür aber auch über 100.000 Euro. Das ist kein ernstzunehmender Beitrag zur künftigen Mobilität, sondern nichts anderes als ein PR-Gag. Hinzu kommen Lamborghini, Bentley, Bugatti, der Megaflop VW Phaeton und die Motorradmarke Ducati – hier hat sich nach unserer Meinung Volkswagen in Bereichen verzettelt, in denen der Konzern nichts zu suchen hat. Wie viel Geld wohl hier in den letzten Jahren verbrannt wurde ...?

Spannend ist die Frage, wieviel Geld nun zusätzlich aufgrund der Abgasmanipulation verloren geht. Denn auch wenn der VW-Konzern öffentlich bekundete, es ginge nur um eine etwas veränderte Software, so trifft dies nicht den Kern des Sachverhalts. Der eigentliche Grund ist, dass diese manipulative Software zum Einsatz kam, um einer teureren technischen Lösung auszuweichen. Konkret: Alleine mit dem kostengünstigen Aufspielen einer neuen Software dürfte es nicht getan sein.

Hr. Richter sagt dazu:

Dieses Mal hat VW den Vogel abgeschossen! Da können die Skandale der Vergangenheit – man denke an die „kriminelle Verschwörung“ und den Geheimnisverrat des Hr. López im Jahre 1993 oder die „Lustreisen“ und Schmiergelzahlungen der Betriebsräte im Jahre 2005 – bei weitem nicht mithalten.

Sicher wird VW auch aus diesem Abgaskandal verändert, gestärkt hervorgehen!?! Unkenrufe nach einer Pleite? So weit ist es noch lange nicht!

Volkswagen - Auf dem Weg zur Weltspitze
Volkswagen - Auf dem Weg zur Weltspitze
EDITION Technikgeschichte - Frank O. Hrachowy

Wer sich die komplette Historie des Wolfsburger Konzerns mal in ganzer Bandbreite zu Gemüte führen möchte, dem sei das Buch »Volkswagen – Auf dem Weg zur Weltspitze« des Technikhistorikers Frank O. Hrachowy, das im Frühsommer 2015 im Verlag EDITION TECHNIKGESCHICHTE erschienen ist, ans Herz gelegt. Das 284 Seiten starke Buch berichtet in ausführlicher und unterhaltsamer Art und Weise über die Geschichte des Konzerns seit den 70er Jahren und ist alles andere als eine Werbebroschüre für den „Weltkonzern“ Volkswagen AG. Nahezu vergessen Fakten, viele aufschlussreiche Zitate früherer Konzernlenker sowie spannende Hintergrundinformationen zum Nachlesen.

Bestellt werden kann das 19,95 Euro teure Buch direkt beim Verlag EDITION TECHNIKGESCHICHTE – auf Wunsch nebst persönlicher Widmung – unter folgender Email-Adresse: vw@etg.scriptec.de

Und wer wissen will, warum bislang noch niemand Ferdinand Piëch als ehemaligen Vorsitzenden des Aufsichtsrats nach seiner Rolle in der Abgas-Angelegenheit gefragt hat – der findet die Antwort hierauf auch zwischen den Zeilen des Buchs ;)

AT-RS Team

Nachtrag/Ergänzung

Da wir zu diesem Beitrag bei Facebook ein paar kritische Kommentare kassiert haben, haben wir unseren Standpunkt zum Thema VW Dieselgate mal in einen separaten Beitrag gepackt, damit er in den Facebook-Kommentaren nicht untergeht. Hier geht´s zum Beitrag: Ergänzender Kommentar zu unserem Volkswagen Post

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