Klappern von Bremsbelägen im Bremssattel

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Klappernde Bremsbeläge

Heute wollen wir uns mal einem Thema widmen, welches der ein oder andere vielleicht schon mal auf dem Schirm hatte, aber weder eine wirkliche Ursache, noch eine geeignete Lösung dafür gefunden hat: Dem Klappern von (Motorsport-) Bremsbelägen im Bremssattel. Warum das Wörtchen "Motorsport" hier in Klammern steht, erklären wir Ihnen im Laufe des Beitrags...

Erst kürzlich wurde einer unserer Kunden von seinem Werkstattmeister wieder unverrichteter Dinge nach Hause geschickt, weil selbiger (der Werkstattmeister) der Meinung war, dass die von uns gelieferten Endless Rennsportbeläge nicht in den Brembo Sattel der Keramik-Bremsanlage des BMW M2 passen würden. Seiner Meinung nach wären sie zu klein, würden deshalb hin und her rutschen und klappern… Sichtlich verunsichert trat der Kunden kurze Zeit später mit dieser Diagnose an uns heran und bat um Erklärung.

Ursache

Draufsicht auf eine der Hälften eines geöffneten Bremssattels (vereinfachte schematische Darstellung / Beispiel)
Draufsicht auf eine der Hälften eines geöffneten Bremssattels (vereinfachte schematische Darstellung / Beispiel)

Anders als bei den meisten serienmäßigen oder Serien-Ersatz Bremsbelägen “fehlt” bei dem Großteil der Motorsport-Bremsbeläge ein entscheidendes Teil, bzw. es wird von den Herstellern einfach nicht mitgeliefert: die Dämpfungsbleche auf der Rückseite der Trägerplatte, die auch rechts und links um die Trägerplatte herum gebogen sind. Durch diese Dämpfungsbleche, die teilweise auch gummiert sind, wird zum einen die Auflagefläche des/der Kolben(s) (2) gedämpft bzw. entkoppelt und zum anderen die Spaltmaße zwischen Belag-Trägerplatte (4) und Bremssattelgehäuse, bzw. der internen Stütz- & Führungsstrukturen (3) minimiert, wodurch die Beläge einen festen und spielfreien Sitz haben. Fehlt dieses Dämpfungsblech, sind die Bremsbeläge in puncto Trägerplatte, sowohl ein wenig dünner und auch schmaler, als die Originalbeläge und haben somit in Neutralstellung ein wenig mehr Spiel im Sattel (7). Bremst man das derart ausgestattete Fahrzeug nun ab, nehmen die Bremsscheiben die Bremsbeläge quasi in Rotationsrichtung mit, bis deren Trägerplatten (4) am Sattelgehäuse, bzw. den Stütz- & Führungsstrukturen (3) anstoßen, was sie jeweils mit einem Klacken oder Klappern kundtun. Selbiges kann auch passieren, wenn man z.B. schnell durch ein Schlagloch oder über nen Gullideckel fährt.

Während es Fahrern im Motorsport herzlich egal ist, ob die Bremsanlage nun klackernde, klappernde oder quietschende Geräusche macht, kann eine derart “mitteilsame” Bremse im Alltag aber schon nervtötend sein.

Abhilfe mit “Bordmitteln”

Bei vielen Belägen liegt die Lösung aber auf der Hand und ist, wenn man mal kurz drüber nachdenkt, eigentlich “ganz einfach”. Da die Trägerplatten der neuen, sportiven Beläge ja mit denen der Originalbeläge identisch sind (sonst würden sie ja nicht in den Sattel passen), entfernt man einfach die Dämpfungsbleche der alten Bremsbeläge, säubert diese und montiert sie, gegebenenfalls mit geeignetem Klebstoff, auf die Trägerplatten der neuen Beläge. Schon sind die kleinen Spalte zwischen Trägerplatte und Sattelgehäuse verschwunden und mit ihnen bestenfalls auch das Klappern und Quietschen der Beläge. Herzlichen Glückwunsch - Sie haben sich (oder Ihrem Kunden) Motorsport-Beläge mit einem gewissen Komfortfaktor kreiert!

Da viele der Dämpfungsbleche auf die Trägerplatten aufgeklebt sind, hilft bei deren Entfernung meist nur der beherzte Einsatz eines Heißluftgebläses und eines Spachtels, um den Kleber weich zu machen und das Dämpfungsblech zerstörungsfrei entfernen zu können. Wir empfehlen dies nur fachkundigen Personen - dieser Tipp darf also gerne an den Mechaniker weitergegeben werden, falls ihm dieser Schritt entfallen sein sollte...

Abhilfe mit Zukaufartikeln

Im Zubehörhandel (und natürlich auch bei uns) gibt es neben den bereits für einige Belaggruppen vorgeschnittenen, Universal-Antiquietschmatten, auch rechteckige DIY-Dämpfungsmatten zum selbst zurechtschneiden. Diese sind selbstklebend und können einfach auf die Rückseite der Trägerplatten aufgeklebt werden, um zumindest das "Metall auf Metall" Quietschen zwischen Bremskolben und Trägerplatte zu beseitigen.

Dediziert passende und auch an den Kanten umgebogene Dämpfungsbleche, die neben dem Quietschen auch das mögliche Klappern unterbinden, sind im Zubehörhandel leider nicht als Ersatzteil erhältlich und können im Fall der Fälle lediglich, wie oben beschrieben, von "Spenderbelägen" übernommen werden.

Da das "Problem" der nicht mehr mitgelieferten, umlaufenden Dämpfungsbleche mittlerweile nicht mehr nur bei explizit für den Motorsport vorgesehenen Belägen, sondern auch bei einigen sportiven Belägen auftaucht, sollte man dies vor der Entsorgung der alten Beläge überprüfen, berücksichtigen und entsprechend handeln!

Zukauf Dämpfungsmatten vs. dedizierte OE-Bleche
Zukauf Dämpfungsmatten vs. dedizierte OE-Bleche

Wichtig zu wissen

Da Bremsbeläge je nach Beanspruchung gerne mal 500-800 Grad heiß werden, muss auch der Kleber zwischen Trägerplatte und Dämpfungsblech diese Temperaturen aushalten können, ohne seine Klebkraft zu verlieren. Zwar werden diese Temperaturen im Straßenverkehr seltenst erreicht, aber derjenige, der sich Rennsport-Bremsbeläge in seinen Daily-Driver baut, wird definitiv nicht nur zum Supermarkt und zurück fahren, sondern auch mal die Grenzen der Komponenten auf der Rennstrecke austesten… Und in solchen Situationen ist ein verklemmtes Dämpfungsblech mit feststeckendem Bremsbelag wahrlich ungünstig ;) Deshalb ist bei der Auswahl des Klebers auf den Temperaturbereich zu achten…

Beläge mit Gewichten
Beläge mit Gewichten

Ein weiteres Teil, das besonders bei Belägen für den Rennsport gerne weggelassen wird, sind die schwingungsdämpfenden Gewichte an manchen Bremsbelägen, wie hier z.B. bei Mov°it zu sehen. Diese Gewichte dienen der Dämpfung der Eigenschwing- oder Resonanzfrequenz der Bremsbeläge und sind, als lediglich dem Bremskomfort zuträgliche, bauliche Veränderungen, im Rennsport und bei für den Motorsport vorgesehenen Bremsbelägen, nicht notwendig. Ein nachträglicher Umbau der bei den Serienbelägen noch vorhandenen Gewichte bzw. Dämpfer ist allerdings nur mit einigem Aufwand möglich, da sie meist maschinell in die Aussparungen der Bremsbeläge eingepresst sind.

Fazit

Auch im Bereich der Bremstechnik macht es manchmal Sinn, “out of the box” zu denken und den normalen Menschenverstand über den des einfachen Teiletauschers zu stellen. Oft liegen die Lösungen so nah, dass man sie trotz jahrelanger Erfahrung nicht oder nicht mehr sieht…

Sicherlich ist bei solch sicherheitsrelevanten Bauteilen auch Vorsicht die Mutter der Porzellankiste, aber wer sich ein bisschen mit der Materie auskennt, sollte derart einfache und nachvollziehbare Lösungen durchaus parat haben und seine Kunden nicht unnötig verunsichern.

Auch um dem vorzubeugen, schreiben wir solche Beiträge wie diesen hier, der sehr gerne mit den entsprechen Stellen geteilt werden kann! Das “Selbermachen” solcher Modifikationen können wir nur dem empfehlen, der sich mit der Bremse wirklich auskennt!

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