Montage von Bremsscheiben - Basiswissen

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Montage von Bremsscheiben
Montage von Bremsscheiben

Da bei der Montage neuer Bremsscheiben selbst von Werkstätten leider immer noch viele Fehler gemacht werden, gucken wir uns heute mal das absolute Basiswissen an: Der Austausch und die Montage von Bremsscheiben und worauf man dabei achten muss.

Prinzipiell ist das Ganze ja kein Hexenwerk und man muss auch nicht allzu viele Punkte beachten. Diese aber dafür sorgfältig. Und dabei ist es unerheblich ob wir hier über Serienaustausch-Bremsscheiben oder 2-teilige Hochleistungs-Sportscheiben reden. Wenn die Basics nicht passen, kann es beim Bremsen unerfreulich werden.

Sauberkeit ist wichtig!

Mit eine der wichtigsten Sachen, die man bei der Montage von neuen Bremsscheiben beachten sollte, ist die Sauberkeit der Anlagefläche. Hier dürfen weder Rost, Dreck oder irgendwelche anderen Rückstände vorhanden sein und die Oberfläche soll metallisch blank sein. Nur so liegt die Bremsscheibe dann auch wirklich plan auf und läuft in einer Flucht mit der Achse. Schon ein kleiner Rostpartikel, der für einen minimalen Spalt an einer Stelle sorgt, kann sich auf das komplette Bremsverhalten auswirken.

Oberflächen wie diese hier sind ein absolutes No Go. Resultat dieser schlampigen Oberflächen-Vorbehandlung: 0,14mm Scheibenschlag, der beim Bremsen für ordentliches Pulsieren im Bremspedal gesorgt hat. Bei maximalen Toleranzen von 0,03-0,05mm ab Werk (je nach Hersteller) ist das natürlich kein Wunder. Und diese Scheiben wurden nicht von Lieschen Müller in der Einfahrt Ihres Reihenhauses eingebaut. Das hat wahrhaftig eine Fachwerkstatt verbockt. Finden wir ehrlich gesagt gar nicht witzig - das ist Stoff für´s erste Kfz-Mechatroniker Lehrjahr!

Die Oberfläche der Radnabe kann man hervorragend mit einer Drahtbürste oder mit feinem Schmirgelpapier von den unter Umständen entstandenen Verunreinigungen befreien. Dem sollte dann eine gründliche Reinigung mit Bremsenreiniger oder ähnlichem erfolgen. Zu guter letzt überprüft man die Oberfläche der Radnabe mit den Fingern. Wenn jetzt keine spürbaren Erhebungen mehr vorhanden sind, ist die Oberfläche ausreichend gut vorbereitet.

Konservieren ja - Wundermittel nein!

Und lasst die Finger von Kupferpasten oder sonstigen Wundermitteln. Die haben hier genauso wenig zu suchen, wie Rost und Schmutz. Wenn man die Nabe vor Rost schützen möchte, kann man die metallisch blanke Oberfläche mit einem Montageöl behandeln. Alles was beim Trocknen Nasen oder einseitig ungleiche Schichtdicken ausbilden kann (die Schwerkraft wirkt auch bei viskosen Flüssigkeiten!), sorgt für einen ungleichmäßigen Lauf der Bremsscheibe mit den verbundenen Problemen. Bei der Benutzung von Ölen oder Fetten ist darauf zu achten, dass selbiges weder auf die Lauffläche der Scheibe, auf die Bremsbeläge oder auf die Gewinde der Radschrauben gelangt. Während die ersten beiden Fälle für deutlich verminderte Bremsleistung sorgen, bewirkt Schmiermittel in den Gewindegängen eine Verzerrung der Drehmomentangaben, was beim Anziehen bis zum Abreißen der Schraube führen kann. Im schlimmsten Fall können sich die Radschrauben auf Grund der verminderten Reibung im Gewinde während der Fahrt lösen.

Beidseitige Sauberkeit!

Was bei der fahrzeugseitigen Auflagefläche der Bremsscheiben gilt, ist auch bei der felgenseitigen Fläche richtig. Sollte der Bremsscheiben-Topf also an der Anlagefläche angerostet sein (z.B. beim Wechsel von Winter- auf Sommerräder), sind diese Verschmutzungen auf gleiche Art und Weise zu entfernen. Zwar wirken sich minimale felgenseitige Unebenheiten auf Grund der dämpfenden Wirkung des Reifengummis, nicht so gravierend aus, wie das bei der starr montierten Bremsscheibe der Fall ist - aber ab einem bestimmen Schlag der Felge, kann es auch hier unangenehm werden.

Dass ein von außen rostiger und vergammelter Bremstopf aber auch seine Überraschungen bereit halten kann, zeigen die folgenden Bilder. Wer hätte bei diesem Zustand der Bremsscheiben gedacht, dass die Auflageflächen der Bremsscheiben und die Radnaben noch derart gut erhalten und sauber sind? Da kann man nur sagen - bei der Montage alles richtig gemacht! Wäre bei der Montage der Bremsscheiben vor Jahren geschlampt worden, hätte man sie vermutlich nur mit roher Gewalt entfernt bekommen...

Dass die Nabe vor der Montage der neuen Bremsscheiben natürlich wie oben beschrieben, akribisch gesäubert wurde, versteht sich von selbst ;)

Potenzieren oder Ausgleichen von Toleranzen

Nicht nur Bremsscheiben und Felgen können einen Schlag haben - auch die Radnabe kann unter Umständen (z.B. bei nicht sachgemäßer Demontage der Bremsscheiben durch rohe Gewalt, Bordsteinkontakt etc.) gewisse Toleranzen im Gleichlauf aufweisen. Aber auch die Herstellertoleranzen sind nicht zu unterschätzen. 100%igen Gleichlauf wird man in den seltensten Fällen vorfinden - minimale Toleranzen sind einfach nicht zu vermeiden.

Deshalb kann es selbst bei 100% sauberer und sachgemäßer Montage zu Problemen kommen. Verantwortlich dafür sind die Herstellertoleranzen. Diese sind zwar sehr gering ausgelegt (siehe oben 0,03-0,05mm) - können sich aber unter Umständen potenzieren.

Ein Beispiel

Nehmen wir an, dass sowohl die Bremsscheibe als auch die Radnabe eine Toleranz von 0,05mm an einer Stelle aufweisen. Treffen diese beiden Stellen nur zufälligerweise aufeinander, summiert sich das ganze auf 0,10mm und liegt damit außerhalb der Spezifikation. Würde man nun die Bremsscheibe um 180 Grad versetzt montieren, können sich die Toleranzen im besten Fall ausgleichen. Wer sich schon immer gefragt hat, warum Bremsscheiben oft mit zwei Bohrungen für die Bremsscheibenbefestigungsschraube versehen sind: Genau für diesen Fall! Das ist sicher nichts, was man mit dem bloßen Auge sehen kann - hierfür müssen schon Messeinrichtungen (Messuhr etc.) eingesetzt werden.

Eine solche Überprüfung scheint aber nicht mehr wirklich gängig zu sein, da sie natürlich Zeit in Anspruch nimmt. Aber nur dadurch, dass man zum einen den Nabenschlag, als auch den Gleichlauf der Bremsscheibe im montierten Zustand analysiert, kann man beurteilen, ob die ganze Sache rund läuft. Das sind 2 Messungen pro Rad, die über Rubbeln oder Nichtrubbeln entscheiden können.

Scheiben- und Nabenschlag
Scheiben- und Nabenschlag

Zusammenfassend kann man also sagen:

Die meisten Fehler, welche zum Bremsrubbeln führen, werden bei der Montage gemacht. Unsaubere Oberflächen, nicht überprüfter Naben- und Scheibenschlag und Wundermittel auf den Anlageflächen sind die Hauptursachen für eine pulsierende und rubbelnde Bremse! Auf einer “krummen” oder unsauberen Nabe wird eine perfekt gerade und saubere Bremsscheibe nie schlagfrei laufen. Eine “krumme” Bremsscheibe (wobei der prozentuale Anteil hier bei unter 1% liegt!) auf einer geraden Nabe ebenfalls nicht. Herstellertoleranzen können durch die um 180 Grad versetzte Montage der Bremsscheibe meist ausgeglichen werden. Eine Messuhr ist bei der Montage von Bremsscheiben also unerlässlich! Achtet bei der nächsten Montage einfach mal darauf oder fragt den Monteur direkt danach.

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Kommentar von Daniel |

Ihr sprecht davon die Auflagefläche nicht mit Wundermittel zu behandeln. Was versteht ihr unter Wundermittel?

Ich nutze meist Keramikspray (nicht Paste) anstatt Öl. Dazu sprühe ich etwas Keramikspray in einen kleinen Behälter und trage diese mit einem kleinen Pinsel NUR auf die Auflagefläche auf.

Was haltet ihr davon und welches Öl würdet ihr empfehlen?

Antwort von Autoteile Ralf Schmitz

Das “Wundermittel” bezieht sich hier auf die genannte Kupferpaste und ähnliche Produkte, die landläufig gerne großzügig für diese Art Konservierung benutzt werden, aber auf Grund ihrer Konsistenz in der Lage sind, unterschiedlich starke Schichtdicken zu bilden oder sogar Verhärtungen und Fremdkörper enthalten können (schön vom verranzten Tubenrand auf den blanken Nabenflansch).

Die von Dir geschilderte Vorgehensweise zeugt von Sorgfalt und Bedachtsamkeit und gibt uns keinen Grund zur Sorge. Keramikspray an sich wollen wir auch gar nicht verteufeln - es reicht aber wie gesagt völlig aus, ein einfaches Montageöl (Markennamen lassen wir mal außen vor) zur Konservierung der beiden, sich berührenden Metallflächen zu benutzen.

In allen Fällen ist wichtig: nichts von dem Konservierungsmittel darf auf die Lauffläche der Bremsscheiben oder die Bremsbeläge gelangen und sollte auch nicht in die Gewindegänge der Radschrauben geschmiert/gesprüht werden.

Wenn man diese Punkte beachtet, sollte dem Planlauf der Bremsscheiben nichts im Wege stehen - vorausgesetzt die Nabe/der Nabenflansch läuft ebenfalls plan und wurde nicht bei der Demontage der alten Scheiben oder vorher schon durch Bordsteinrempler etc. beschädigt.

Viele Grüße,

das at-rs.de OnlineTeam

Kommentar von Markus |

Bremsscheiben sind gerne mit einer Schutzbeschichtung versehen, die nicht von den Reibflächen entfernt werden muss (wird bei den ersten Bremsungen thermisch zersetzt). Gilt das auch für die Anlagefläche zur Nabe, oder sollte diese Fläche besser vollständig blank sein?

Antwort von Autoteile Ralf Schmitz

Hallo Markus,

vielen Dank für Deine Frage!

Üblicherweise werden die inneren Anlageflächen der Bremsscheibentöpfe von allen Bremsscheiben-Herstellern nur minimal und gleichmäßig maschinell beschichtet (wenn überhaupt). Demzufolge ist eine Reinigung an der Stelle nur dann notwendig, wenn sichtbare und auftragende Verunreinigungen oder Lacknasen, z.B. durch Fehler in der Produktion, zu sehen sind.

Die Kontrolle der Anlageflächen auf “Fremdkörper” (innen/außen) ist aber in jedem Fall eine gute Idee und sollte ebenso wie die Kontrolle des Planschlags mittels Messuhr, bei jedem Austausch der Bremsscheiben in Betracht gezogen werden.

Viele Grüße,

das at-rs.de OnlineTeam

Kommentar von Jens |

Guter Beitrag zum "Sensibilisieren" für die Details.

Aber es sieht auf den Bildern so aus, als ob die Nabe vor der Montage mit Kupferpaste versehen wurde, obwohl ihr im Text ausdrücklich davon abratet.

Was soll ich davon jetzt halten?

Antwort von Autoteile Ralf Schmitz

Hallo Jens,

also Kupferpaste sollte da nirgendwo zum Einsatz gekommen sein. Bei einigen Bildern sieht das zugegebenermaßen so aus - aber das liegt lediglich an der Beleuchtung, bzw. an der Farbtemperatur des Bildes. Von Kupferpaste raten wir immer noch ab - sauber und leicht eingeölt reicht völlig und behindert den korrekten Sitz der Bremsscheiben nicht.

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