Was ist eigentlich aus der MK C1-Bremse von Continental geworden?

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Continental MK C1 Bremsmodul
Continental MK C1 Bremsmodul © Continental AG

Vor rund zweieinhalb Jahren berichteten wir hier im Bremspunkt über ein neu entwickeltes Bremsmodul namens Continental MK C1. Zur Erinnerung: Bei der neuen MK C1-Bremse waren die Funktionen des Hauptbremszylinders, des Bremskraftverstärkers und der Regelsysteme (ABS, ESP) in einem einzigen kompakten Bremsmodul zusammengefasst. Das sollte nicht nur drei bis vier Kilogramm Gewicht und reichlich Bauraum sparen, sondern auch den herkömmlichen, mit Unterdruck arbeitenden Bremskraftverstärker überflüssig machen.

Elektrische Bremskraftverstärkung

Dabei sollte der Bremskraftverstärker rein elektrisch arbeiten – die Bremskraftverstärkung mittels sperriger Zweikammerdose würde dadurch völlig wegfallen. Mehr noch: Dieses revolutionäre Bremsmodul sollte eine neue Ära einleiten, denn es sollte erstmals alleine über eine Druck-, Weg- und Geschwindigkeitsmessung des Pedals die vom Fahrer gewünschte Bremsleistung an den Rädern errechnen.

Der Wegfall des herkömmlichen Unterdruck-Bremskraftverstärkers ermöglichte jedoch nicht nur eine deutlich kompaktere Bauart des Moduls, gleichzeitig ermöglichte er den Einbau des Bremsmoduls in Fahrzeuge, deren Ansaugsystem keinen permanenten Unterdruck erzeugte. Darunter fielen nicht nur Dieselfahrzeuge, sondern ebenso Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybridantrieb, zudem Fahrzeuge mit Start-Stopp-Automatik. Das Bremsmodul, so verkündete Continental damals, befinde sich bereits in der Phase der Entwicklung für die Serie, der Produktionsstart des serienreifen Continental MK C1 war für das Jahr 2015 geplant.

Endlich: MK C1-Bremse in Serie

Doch bei einem kritischen Blick auf die technischen Ankündigungen aus dem Hause Continental fällt auf, dass in den letzten Jahren einige als »seriennah« ausgerufene Neuerungen schlichtweg auf der Strecke geblieben sind und plötzlich kaum mehr erwähnt wurden. Als bestes Beispiel: Was ist eigentlich aus der Keilbremse geworden, die Continental auf den Markt bringen wollte? Antwort: Bis heute nichts! Hier hatte AT-RS ebenfalls einst über die von Continental ausgerufene bevorstehende Serieneinführung berichtet.

Auch um die MK C1-Bremse von Continental wurde es zwischenzeitlich sehr ruhig, weshalb AT-RS nun nachgeschaut hat, wie der Stand der Dinge zum Anfang des Jahres 2017 ist. Und siehe da: Tatsächlich erging es der MK C1-Bremse besser als der Keilbremse, denn sie hat mittlerweile den Sprung in die Serienfertigung geschafft. Zwar nicht wie angekündigt im Jahr 2015 – doch im Sommer 2016 hatte Continental per Pressemitteilung darüber aufgeklärt, dass die MK C1-Bremse für das Integrierte Bremssystem (IBS) in der neuen Alfa Romeo Giulia verbaut werden wird.

Das Medienecho war indes verhalten: Das lag einerseits daran, dass immer noch kaum ein Autofahrer die handfesten technischen Vorteile dieser neu entwickelten Komponente erkannt hatte. Sicher lag es auch daran, dass die MK C1-Bremse nicht in ein Volumenmodell eines größeren Herstellers eingebaut wurde, sondern in ein Fahrzeug der mehr oder minder in den Exotenstatus heruntergewirtschafteten Marke Alfa Romeo. Alfa Romeo war, wie zu erwarten, diese technische Neuigkeit nicht mehr wert als eine unbebilderte Randnotiz in der Giulia-Werbung auf der Homepage.

Offen Fragen bleiben

Nun kann sich Continental wohl damit brüsten, das System endlich in Serie zu fertigen, wenn auch mit erheblicher Verspätung. Unbeantwortet bleibt die Frage nach der Zukunft dieses neuartigen Bremsmoduls. Hierbei drängen sich mehrere Fragen auf. Erstens: Kann dieses Modul demnächst so kostengünstig gefertigt werden, dass seine technischen Vorteile die Mehrkosten überwiegen? Zweitens: Wann wird die MK C1-Bremse erstmals in ein Volumenmodell Einzug halten? Und drittens die Frage: Was machen eigentlich die Wettbewerber?

 

 

Sollte das Video nicht angezeigt werden, hier noch der direkte Link nach YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=pmkzpzxMeOk

Nun, die dritte Frage ist einfach zu antworten: Bosch verbaut sein technisch vergleichbares Bremssystem iBooster bereits seit Herbst 2014 in den rein elektrisch angetriebenen Sportwagen Tesla S. Nebenbei verfügt AT-RS über interessante Kontakte zu verschiedenen Entwicklungsabteilungen im Automotive-Bereich. Soll heißen: Dass aus dem asiatischen Raum demnächst ein technisch nahezu identisches, kostengünstigeres Modulsystem als die MK C1-Bremse von Continental und der iBooster von Bosch auf den Markt kommt, gilt als sicher.

Gute Fahrt wünscht das Team von AT-RS

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Kommentar von Gero Beelen |

Continental hat mit der MK C1 den renommierten PACE Award von Automotive News für herausragende Innovationen gewonnen.

https://www.autonews.com/section/pace04

http://www.autonews.com/article/20170403/VIDEO/304039830/2017-pace-award-winners

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